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Mittwoch, 24. Februar 2010

Putzerfische, Pistazien und Pampelmusen
Von DM, 23:59

Feiqian macht schlapp. Die letzten Stufen bis zum Aussichtspunkt mit der großen Antenne auf dem Gipfel der kleinen Hügelkette, die Wuyi säumt, muss ich allein bewältigen. Ihr steckt der Hongyan noch in den Knochen. Dabei macht sich die Sonne heute rar. Es ist dafür ziemlich schwül Mittags stärken wir uns beim Herrn Papa und ich lerne Feiqians fürsorgliche Großmutter kennen, die gemeinsam mit ihrem Sohn als Spezialität einen Fisch zubereitet hat. Feiqian zeigt mir auf ihrem tragbaren Computer noch ein paar Fotos von ihrer Reise nach Lijiang und Dali, wo ich ja auch schon war (2004). Danach machen wir uns auf zum letzten großen Höhepunkt der Reise: den heißen Quellen von Wuyi, einer Art Luxus-Kurbad. Man kommt sich vor wie in Bad Ems. In einer endlosen Folge von kleinen und großen Schwimm- und Planschbecken, deren Wasser aber mindestens immer Badewannen-, zuweilen auch Teekessel-Temperatur hat, warten hier Milch-, Kaffee-, oder Lavendelbäder und vieles andere mehr auf die Gäste, das meiste davon unter freiem Himmel mit Blick auf die immergrünen Berge von Zhejiang. Alles ist entweder gut für die Haut oder für die Gesundheit oder beides. Zunächst folge ich, während Feiqian das Milch- und Kaffee-Becken vorzieht, ihrem Papa und seiner jüngeren Tochter wagemutig in das Becken mit den Putzerfischen. Die kleinen Biester, so groß wie Stichlinge, geben einem zunächst einen Eindruck davon, wie es sich anfühlt, mit Piranhas dasselbe Nass zu teilen, denn sie sind ähnlich zudringlich, aber natürlich fressen die einen nicht mit Haut und Haaren, sondern sie begnügen sich mit kleinen Hautschuppen. Das soll gut sein für die Haut. Oder so. Jedenfalls habe ich danach dort, wo ich in Sanya beim Baden, von einer Welle umgerissen, am Arm verletzt wurde, zwei lange weiße Striche anstelle von schwarzbraunem Fibrin-Schorf und ich werde ungefähr zwei Wochen lang das Gefühl haben, dass es mich überall juckt, nämlich da, wo die Viecher sich an mir zu schaffen machten. Übrigens handelt es sich bei diesen Putzerfischen hier nachweislich um chinesische Exemplare, denn bei mir tummeln sich ungefähr drei bis viermal mehr von ihnen als bei den anderen im Becken. Ausländer in China – immer umringt von Neugierigen, ob Fisch, ob Fleisch! Später benutze ich zur Verblüffung einiger Kinder die zwei bis drei Meter lange Rutsche, stelle mich unter einen künstlichen Wasserfall und besuche noch das türkische Dampfbad. Dann in die Dusche, wo sogar das Shampoo gestellt wird. Es gibt noch einen kurzen Imbiss im Kur-Restaurant. Dann geht es heim zur Mutter. Dort lerne ich, nachdem Feiqian sich zum Vater verabschiedet hat (sie wohnt zumeist dort und muss noch packen, denn morgen um sieben geht es für sie nach Schanghai zum deutschen Konsulat), noch den Lebensabschnittsgefährten der Mutter kennen: Ich trete oben ins Wohnzimmer, als sie ihm gerade eine Spritze in den großen Zeh jagt, vermutlich Insulin. Ich bekomme noch Süßkartoffeln, Pampelmusen und Pistazien verabreicht, dann fährt mich der freundliche, leicht übergewichtige Herr mit der Injektion gemeinsam mit Feiqians Mutter zum Bahnhof. Abfahrt des Zuges (Sitzplatz 1. Klasse): eine halbe Stunde vor Mitternacht. Komisch, was juckt es mich denn überall? Also, diese Putzerfische, weiß nicht... Die putzen nächstes Mal vielleicht doch lieber das Klo!

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Dienstag, 23. Februar 2010

Das Astrologen-Dorf und der rote Felsen
Von DM, 23:59

Die letzte größere Aktion in dieser vorlesungsfreien Zeit: Ich reise auf Einladung von Feiqian alias "Julia" (siehe Jahresrückblick 15.1., Studentin links vom Pastor) in deren Heimat Wuyi (Provinz Zhejiang), zwei Stunden von Hangzhou entfernt. Mit dem Bummelzug bin ich 12 Stunden unterwegs, habe aber einen Platz im Schlafabteil. Verspätet komme ich gegen ein Uhr nachts am Bahnhof von Wuyi an. Leicht verfroren wartet Feiqian samt Papa schon am Ausgang. Der Papa hat ein Auto. Das setzt mich dann bei Feiqians Mama ab, die aber seit mehr als zehn Jahren von ihrem Papa geschieden ist und auch nicht mit ihm redet. Dort beziehe ich das kleine Eckzimmer im Parterre. Heizung gibt es bekanntlich südlich des Jangtse nicht. Das Zimmer ist eiskalt, aber es leuchtet das Lämpchen der Heizdecke, die für mich im Bett installiert wurde. Das ist auch gut so; schließlich ist Februar: mein Erkältungsmonat.. Tagsüber führt uns der Papa mit seiner neuen Frau und Feiqians Halbschwester in das (so die englische Beschilderung) Astronomen-Dorf Yuyuan. Es muss aber doch wohl eher ein Astrologen-Dorf sein. Denn in dem malerischen alten Ort kann ich keinerlei sternenkundliche, dafür umso mehr volkstümliche Elemente ausmachen, eine alte Bühne, einen Tempel etc. Man muss sich das Ganze vorstellen wie so eine Art Freilichtmuseum, in dem aber überall noch Leute wohnen - ganz echt und in Farbe. Farbenfroh präsentiert sich am Nachmittag auch der "Hongyan", der rote Felsen, der nach einem kleinen Mittagessen in rustikaler Umgebung, irgendwo auf einem kleinen Dorf irgendwo auf einem kleinen Hügel, angesteuert wird. Da darf ich dann mit Feiqian alleine raufkraxeln (es gibt überall Stufen, es lebe die Natur!). Zahlen muss ich auch für diesen Naturpark keinen Eintritt. Der Papa hat die Eintrittskarten immer irgendwie schon in der Hand. Er ist Beamter bei der Stadt und hat da vorher irgendwas mit seinen Kumpels von der Verwaltung gedreht. Weiß ich, was! Feiqian weiß auch von nix! Der Hongyan ("roter Felsen") erinnert von ferne an diesen berühmten Ayers Rock in der australischen Wüste, nur ist er nicht ganz so nackt und ragt auch nicht ganz so unvermittelt aus der Landschaft empor. Hier in Zhejiang ist es nämlich generell ein bisschen hügeliger als in Jiangsu. Die Sonne tobt sich an diesem Vorfrühlingstag richtig aus und das Thermometer kommt auf über 25 Grad. Ich kann jede Stufe nur unter Erduldung einer jähen Kopfschmerzattacke nehmen, die neueste Spielart meiner verschleppten Erkältung. Aber wir schaffen es dennoch auf den höchsten begehbaren Punkt, kommen noch durch eine gut auf Stufen durchschreitbare kleine Felsspalte und dann unterhalb der Steilseite des Hongyan, der steil wie die Eiger Nordwand und rot wie der Tennisplatz von Roland-Garros über uns aufragt, wieder nach unten. Auf einer kleinen Schaukel warten wir unten am Eingang auf Feiqians Papa. Wieder daheim schicken wir ihn mit seiner jungen Familie in den Feierabend. Feiqian macht noch eine kleine Stadtführung und wir essen ein paar Kebab-ähnliche Teigtaschen in dem Laden um die Ecke. Dann trifft sie bei KFC noch ein paar Freundinnen, die sie wegen ihres Deutschlandstudiums längere Zeit nicht sehen wird, und dann geht es ins Bett mit der Heizdecke.

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Mittwoch, 17. Februar 2010

Am Ende des Weges
Von DM, 23:59

Als ich morgens um zehn in Nanjing ankomme, bin ich so ausgeruht, dass ich dem Glitzern des Xuanwu-Sees, an dessen Nordende der Bahnhof liegt, nicht widerstehen kann und die ca. drei Kilometer bis nach Hause am See entlang zu Fuß zurücklege. Das Gepäck ist ja nicht mehr so schwer, seit ich die dicken Wintersachen nicht mehr spazieren, sondern am Leib trage. Aber mein Übermut rächt sich: Abends falle ich kränklich und mit Kopfschmerzen ins Bett. Eine zähe verschleppte Erkältung kündigt sich an.

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Dienstag, 16. Februar 2010

Im Schlafbus nach Kanton
Von DM, 23:59

Diese chinesischen Schlafbusse und ich, so viel steht fest, werden in diesem Leben keine Freunde mehr! Dabei habe ich noch Glück: Der Platz neben mir bleibt frei. Aber der Typ, der rechts von mir liegt, macht sich viel zu breit und der Anfang der Strecke führt durch Schlaglöcher wie im tiefsten Tibet. Außerdem wird mir erst viel zu spät klar, dass es an Bord ein WC gibt. Vorher habe ich mit wachsender Ungeduld auf eine Pause gewartet. So schläft man natürlich auch nicht tief und fest. Als wir pünktlich um 6 in Guangzhou (Kanton) ankommen, habe ich mit dem nächsten Problem zu kämpfen: Ausgerechnet die Guangzhou-Seiten hat ein ganz Schlauer vor etlichen Jahren aus meinem „Lonely Planet“-Reiseführer herausgerissen, weil er wohl nicht ständig mit einem dicken Buch reisen wollte. So bin ich jetzt ziemlich orientierungslos, habe aber Glück im Unglück: Bus-Bahnhof und Hauptbahnhof liegen hier praktisch am selben Fleck. Und ich schaffe es tatsächlich, noch eine Fahrkarte mit Schlafplatz für heute, 9.14 Uhr, nach Nanjing zu erwerben. Ich frühstücke bei McDonald's und reise dann auf blauen Dunst an eine U-Bahn-Station, die irgendwie interessant klingt, doch ich lande irgendwo in einer langweiligen Außenbezirks-Einöde, etwa so aufregend wie Neumünster-Wittorf. Im Zug falle ich dann erst mal in tiefen Schlummer. Denn anders als im so genannten Schlafbus, kann man im Zug wirklich schlafen. Nachts werde ich dann wieder munter, lege den tragbaren Computer vor mir auf die Liege und tippe: „Diese chinesischen Schlafbusse und ich, so viel steht fest...“

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Montag, 15. Februar 2010

Schiffsreise mit Unterhaltungsprogramm
Von DM, 23:59


Eigentlich wollte ich schon um zehn aufstehen, aber nichts zu wollen. Gegen Mittag gehe ich hinüber zum jetzt geöffneten Busbahnhof und ergattere tatsächlich eine Kombi-Fahrkarte für Bus und Schiff. Abfahrt: 17.25 Uhr. Es reicht sogar noch für eine gute Stunde in dem Winner-Pizza-Restaurant, das ich gestern Abend aus dem Stadtzentrum kommend vom Taxi aus erspäht habe. Tja, und dann heißt es Abschied nehmen von Hainan und all den Turbulenzen eines fast dreiwöchigen Urlaubs! Ein Minibus bringt mich und eine Handvoll Reisender dann mit reichlicher Verspätung zum Hafen, wo wir wieder lange warten, bis etwa 20 Uhr. Dann werden wir umständlich in den Schlafbus eingeladen, den wir gleich darauf, an Bord des Schiffes, auch schon wieder verlassen. Die Überfahrt zum Festland dauert netto exakt 90 Minuten. Die Passagiere verbringen sie überwiegend in einem großen Saal auf dem Oberdeck, wo zwei Fernseher links und rechts jeweils neben den Kisten mit den "Life Saving Chests", also den lebensrettenden Brüsten, mit Frühlingsfest-Shows und Kriegsfilmen unterhalten. Wem das nicht reicht: Noch mehr Unterhaltung bietet ein junges chinesisches Ehepaar mit Kind. Der Gatte und seine bessere Hälfte beginnen eine wilde Prügelei. Erst mal schaut alles zu. Dann rufen einige den „shifu“ („Meister“) und der kann dann mit Hilfe einiger beherzter Männer die Streithähne auseinander bringen. Die Diskussion zwischen dem gewaltbereiten Gatten und den Schlichtern ist auch noch nicht abgeebbt, als ich nach fünfzehn Minuten an Deck, wo ich mir die steife Brise um die Ohren wehen lassen und mich dem peitschenden Regen ausgesetzt habe. Die heitere Sommer-Atmosphäre von Sanya liegt endgültig hinter mir.

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Sonntag, 14. Februar 2010

Haikou - "Meeresmund"
Von DM, 23:59

In Haikou, der Hauptstadt der Insel Hainan, ganz im Norden gelegen, setzt uns der Bus leider am Süd-Busbahnhof ab, der ziemlich dezentral liegt. Wegen des Frühlingsfestes (1. Feiertag) ist bereits alles dicht. Auch Stadtbusse sind offenbar Mangelware. Für dreißig Yuan fährt ein Taxi zum West-Busbahnhof. Ebenfalls geschlossen. Gegenüber liegt ein Hotel recht günstig. Für knapp 100 Yuan kann ich hier absteigen. Mit Blick auf die Aussicht, in Guangzhou keine Fahrkarte mehr zu bekommen, wenn ich dort zu spät ankomme, lasse ich den Plan fallen, mit dem Schiff nach Guangzhou überzusetzen.

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Samstag, 13. Februar 2010

Mao'an
Von DM, 23:59

Wegen des nahen Frühlingsfestes zerschlägt sich mein Plan, weiter durch die Inselmitte nach Qiongzhong zu reisen, wo ein 300 Meter tiefer Wasserfall wartet. Denn der Busbetrieb ist fast vollständig zum Erliegen gekommen. Die Stadt Tongshan wird auch immer mehr zur Geisterstadt. Ich mache aus der Not eine Tugend und entscheide mich für einen Abstecher nach Mao'an, einen kleinen Ort, den mein Reiseführer als typisches Dorf der Miao-Minderheit beschreibt. Aber sooo traditionell kommt mir Mao'an jetzt auch wieder nicht vor. Auch hier gibt es überall Baustellen und Modernisierungsmaßnahmen. Ich finde dann doch noch einen etwas rückständigeren Ortsteil und werde hier auch prompt zur allgemeinen Attraktion.

Wieder an der Hauptstraße angelangt, machen mich die Einheimischen total nervös: Heute komme sicher kein Bus mehr, aber für vierzig Yuan werde ein freundlicher Moped-Fahrer mit desolaten Zähnen und roter Farbe überall am und im Mund mich zurück in mein Hotel bringen. Nach einigem zermürbenden Warten lasse ich mich überreden. Klar, dass uns, während mir hinten auf dem Moped der Fahrtwind um die Ohren weht, der Bus aus Sanya überholt. Der Mopedfahrer mit dem roten Mund versichert zwar, dass der in Mao'an nie im Leben gehalten hätte, aber was sollte er auch sonst sagen?
Zusehends versinkt Tongshan wie jetzt kurz vor Anbruch des chinesischen Neujahrs jeder bewohnte Flecken Erde von China, in Knallerei und Böllerei. Bomben können nicht lauter sein! Getreu meiner Devise Brot statt Böller diniere ich erst mal. Gegen elf Uhr mache ich mich auf den Weg zum Fluss und schaue von einem kleinen Pavillon aus dem Feuerwerk zu.Willkommen im Jahr des Tigers!

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Freitag, 12. Februar 2010

Nach fünf im Urwald
Von DM, 23:59


Klar, dass die höchste Erhebung der Insel Hainan, der so genannte Fünf-Finger-Berg, vor mir nicht sicher ist. 1867 Meter, die sind doch an einem Tag zu schaffen. Schon um 10 Uhr verlasse ich das Hotel in Tongshan, direkt gegenüber vom Busbahnhof. Für fünf Yuan geht es 45 Minuten lang mit dem lokalen Bus zum Naturreservat Fünf-Finger-Berg, wo ich in eine Motor-Rikscha umsteigen muss. Ich kurve also mit meinem Fahrer durch die malerische Gegend, dann kommen wir an einen Kontrollpunkt, den eigentlichen Eingang, wo ich 15 Yuan entrichten muss (ein Eintrittspreis wie geschenkt im Vergleich zu den horrenden Preisen in Sanya). An einer kleinen ausgestorbenen Siedlung, in der eine Familie in einer kleinen Baracke einen Laden betreibt, weist mich der Fahrer auf ein paar Stufen hin: Das sei der Weg. Anders als in Huangshan gibt es hier aber nur am Anfang Stufen, der Rest des Aufstiegs ist mühsamer Trampelpfad in bester Indiana-Jones-Tradition. Es sind auch nicht jene Horden unterwegs wie an den berühmten Bergen, nur vereinzelt trifft man andere Bergwanderer. Kurz vor dem Gipfel etwa treffe ich einen Schweizer mit chinesischem Anschluss. Er kommt ausgerechnet aus Lausanne, wo ich ja bekanntlich ein Jahr studiert habe. Auch ein kleines Mädchen, vielleicht sechs Jahre alt, kämpft sich an der Seite von Papa und Mama tapfer nach oben.

Vom Gipfel aus sieht man leider fast nur Wolken, aber unterwegs konnte man dann doch ein paar Lücken ausmachen und den Talblick genießen. Vielleicht etwas zu sehr, denn auch der Abstieg dauert noch einmal zwei bis drei Stunden. Leider habe ich auch keine Uhr dabei. Die liegt kaputt in Nanjing. Eigentlich kann man sich ja an fünf Fingern abzählen, wohin das führen muss: Als ich unten im feuchten Nebel des Tropenwaldes ankomme, ist alles finster und wie ausgestorben. Es muss  bereits nach 19 Uhr sein. In der Ferne flimmert ein Fernseher mit einer Kindersendung. Hier sitzt die kleine Tochter des Barackenladenbetreibers vor der Kiste und ihr Vater verkauft mir einen stärkenden Trinkjoghurt und ruft die Motor-Rikscha, auf der ich anschließend friere wie ein Wüstenfuchs am Nordpol. Es ist im Nebel gar nicht mehr tropisch warm! Die nächste Hiobsbotschaft: Es gibt keinen Bus mehr und auch kein Taxi, um zurück nach Tongshan zu kommen. Privat lässt sich was organisieren: für 200 Yuan. Prost Mahlzeit! Geschockt esse ich erst mal was in einem kleinen Restaurant. Danach wandere ich auf Verdacht in die Richtung, aus der ich morgens mit dem Bus gekommen bin. Vielleicht kann ich wie letztes Jahr in Xinjiang per Anhalter fahren. Es ist stockfinster. Hier heulen nicht mal mehr Hunde. Ich winke einem entgegenkommenden Auto mit drei Chinesen und frage, ob das hier Zukunft hat. Sie bieten mir für 200 Yuan eine private Taxifahrt an. Ich versuche zu handeln:150. Zwecklos. Todmüde komme ich gegen halb zehn dann doch noch im Hotel an, wo eine Ratte auf dem Fensterbrett den Tag gekonnt abrundet.

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Dienstag, 09. Februar 2010

Wo der Himmel das Meer berührt
Von DM, 23:59


Das Ziel des heutigen Tagesausflugs lautet Tianya Haijiao („wo sich Himmel und Meer berühren“). Am Anfang, am Busbahnhof von Sanya, gibt es zunächst Irritationen: Es gibt hier gar keinen Bus nach Tianya Haijiao. Aber auf der anderen Straßenseite wartet Mini-Bus Nr. 16, der uns Fahrgäste in 45 Minuten zu der Touristenhochburg führt. Attraktion hier: eine Reihe von imposanten Felsblocks, die an der Küste aus dem Meer ragen. Horden von Touristen wandern die Steine entlang oder klettern an ihnen herum. Wäre man hier allein, wäre das ja in der Tat durchaus malerisch, aber Kommerz-China und die Horden von Touristen haben aus Tianya Haijiao einen überteuerten Touristenmagneten gemacht, bei dem man sich viel Mühe geben muss, um sich die Ursprünglichkeit dieses kleinen Fleckchens Erde am äußersten Rand des Riesenreiches auszumalen.

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Mittwoch, 03. Februar 2010

Am Strand
Von DM, 23:59


Am Strand treffe ich heute einen Chemie-Studenten aus Hefei (gar nicht weit weg von Nanjing), der neugierig ist, was ich für einer bin. Er verbringt das Frühlingsfest zu Hause. Das ist nicht in Sanya, sondern in einer kleineren Ortschaft auf Hainan. Jetzt ist er mit Freunden auf Strandurlaub und, obwohl auf der Insel groß geworden, zum ersten Mal in Sanya, wie er mir versichert. Und natürlich verehrt er deutschen Fußball, allen voran Ballack.
Eine Familie, uniform eingehüllt in die schicken Hawaii-Kluft, die ich gestern schon bewundert habe, spricht mich an und ich kann mich ja der Frage nach der Herkunft dieser immens schönen Bekleidung nicht erwehren. Der ältere Herr meint, seine Tochter habe sie alle für 20 Yuan vor Antritt der Reise neu eingekleidet.

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Dienstag, 02. Februar 2010

Vor der Affeninsel
Von DM, 23:59

Da man ja nicht immer nur auf der Robbenbank herumlungern kann, fahre ich heute in den malerischen Fischerort Xincun. Der Bus nimmt mich aber nur mit bis Lingshui, die vorgelagerte Gewerbestadt. Weiter geht es für 3 Yuan im Minibus. Das Ambiente ist hier völlig anders als in der Touristenmetropole Sanya. Mit den vielen Kokospalmen und Bananenpflanzungen auf den Feldern, den staubigen Straßen, dem Müll überall an ihren Rändern und den extrem pragmatisch eingerichteten Ladenzeilen in iher epigonenhaften Architektur (die selbst nicht weiß, wen sie imitieren soll) entlang der Hauptstraße erinnert mich doch manches an Afrika. Die Attraktion von Xincun, in der ansonsten die Ethnie der Danjia das Alltagsbild bestimmt, ist die dem Hafen vorgelagerte hügelige Affeninsel. Ich stehe auf der Kaimauer und sehe Tonnen von Touristen über mir per Seilbahn den Affen entgegenschweben. Einige machen sich dabei sogar ohne Skrupel selbst zum Affen: Eine Reisegruppe hat es fertiggebracht, sich komplett in potthässliche Hawaii-Zweiteiler stecken zu lassen, Groß und Klein rennen nun also in diesen schreienden Farben hier herum. Zum Davonlaufen! Ich laufe also davon, für die Affeninsel habe ich heute sowieso keine Zeit, und flaniere den Pier entlang. In einer langen Linie liegen nicht nur Schiffe am Hafen, sondern die Meerenge zwischen Insel und Ufer ist außerdem durchzogen von einer langen Reihe von Hausbooten. Auf Holzpaletten ist dort auf dem offenen Wasser ein richtiges kleines Dorf entstanden. Sogar ein Hund bellt da hinten irgendwo. Ob der wohl immer genug Auslauf hat draußen auf dem Wasser? Ich wandere weiter am Hafenbecken entlang, überall kleine Stände und auf dem Boden jede Menge Unrat. Es riecht ziemlich fischig, während ich vorbeikomme an Frauen, die Fischernetze herstellen oder flicken, Fischern, die ihre Fische an die Händlerinnen weitergeben, die mit Eisbehältern auf der Gangway warten, Männern, die auf ihren Booten Maschinenteile reparieren oder ihr Schiff umbauen. Eine Mutter füttert an Bord ihr kleines Kind. Ein Fischer hat sich bei offener Tür in der Ein-Mann-Kabine seines kleinen Kutters hingehauen und macht ein Nickerchen. Ganz hinten am Ende der Kaimauer sitzen im gleißenden Licht ein paar Angler. Auf dem Rückweg staunt mich eine Schar Kinder an, als wäre ich eine Marienerscheinung. Nur einer wagt mal ein zaghaftes "Hello..."
Die Sonne hat mich zermürbt und hier länger als bis fünf Uhr zu verweilen empfiehlt ohnedies sich nicht, da man sonst vielleicht keinen Bus mehr bekommt. Also: Aufbruch.

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Montag, 01. Februar 2010

Zirkusakrobaten und Milchskandal
Von DM, 23:59

An den belebten Straßenkreuzungen werden Knirpse als Zirkusakrobaten zur Aufbesserung des Einkommens ihrer Familien (vermutlich Angehörige der Li- oder Miao-Minderheit) eingesetzt. Von meinem Fensterplatz im ersten Stock von Kentucky Fried Chicken, eines beliebten chinesischen Restaurants, kann ich die Szene verfolgen: Zum Klong-klong der Schellen in den Händen ihrer Begleiter, vielleicht ihre großen Brüder, machen die etwa 1,10 Meter kleinen und extrem beweglichen Kinder Flick-Flacks, als würden sie auf Händen spazieren gehen, oder stecken sich das Drehmoment eines Mini-Karussells in den Mund, wenden ihren schmalen Leib kopfüber nach hinten und drehen sich dann mit den Händen in Schwung. Ihre größeren Kompagnons, selbst noch Kinder, sammeln das Geld ein. Das alles erinnert stark an die menschlichen Kanonenkugeln aus der Muppets-Show, nur ist das für die Knirpse, die den ganzen Tag in der Sonne durchhalten müssen, vermutlich nur halb so witzig.
Kurz zuvor habe ich schon wieder Terror in der Ladenmeile gemacht. Da kaufe ich mir einen leckeren Erdbeertrunk, ganz im Stil der Schulmilch, mit der ich groß geworden bin, und beim ersten Schluck bleibt mir gleich alles im Halse stecken: verdorbene Milch! Schmeckt wie Knüppel auf'n Kopp! Ich gleich zurück und als die Tante, bei der ich mich beschwere, mir einen Safe für meine Tasche mit den anderen Milchgetränken anbietet, weil sie mein Chinesisch nicht versteht, werde ich noch empörter. Am Ende taucht eine Tante mit Ersatz-Erdbeermilch auf und macht mich wieder glücklich.

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