Huoguo
Nein, nicht Hugo, sondern Huoguo (Feuertopf) ist der Name eines chinesischen Nationalgerichts, das ich eigentlich gar nicht mal so toll finde. Es handelt sich um eine Art Fleischfondue, nur dass man hier nicht nur Fleisch, sondern einfach alles reinschmeißt in den Kessel mit der brodelnden Brühe, Kohl, Tofu, Maultaschen, Fischfrikadellen, Wurst - einfach alles. Wenn aber Hongzhen und ihr Mann zu sich nach Hause einladen, dann ist das natürlich ganz was anderes und ich bin begeistert und alsbald pappsatt, denn Hongzhen hat ihre gesamte Speisekammer in den Pott geworfen. Muss auch alles weg, denn sonst verdirbt es in der Urlaubszeit. Sie hat noch einen halben Arbeitstag, danach geht es zum Doppelfühlingsfest zunächst in ihre eigene Familie und dann in die ihres Angetrauten.
Ich verabschiede mich von dem jungen Paar und gehe zu Fuß noch einmal ans Ufer des Huangpu, von wo ich einen Blick auf Puxi habe - die Gegenperspektive zum gestrigen Abend. Bei frühlingshaft-sonnigen zehn Grad kann man sich sogar eine Weile auf das Rasenstück dort setzen. In einer McDonald's-Verkaufshütte mitten auf der Promenade scheint keiner zu sein, aber ich rufe einfach mal rein: "Ein Eis!" und schon lugt die Verkäuferin hinter ihrem Magazin hervor. Wenige Minuten später hat sich eine Schlange vor dem Verkaufsstand gebildet. Das erinnert mich verdächtig an meine Rolle während der Busfahrt nach Litang/Osthimalaja im August 2003, als ich den Fahrer nach zwei Stunden zu einer Pinkelpause nötigte und hernach der halbe Bus am Straßenrand stand.
Ich ergattere eine Fahrkarte für 18 Uhr, mache es Ralf nach und erwerbe in einem Supermarkt gegenüber vom Bahnhof ein Snickers, das mir das Warten versüßt, und bin um halb acht schon wieder in Nanjing.