Michael & Michael
Heute im GoDi in der Kirche St. Paul's treffe ich nicht nur Michael, den frisch geschiedenen Engländer, der die Predigt zum Thema "Dämonen in uns" etwas befremdlich fand, sondern auch Michael, den Ehemann von Linda. Und der hat Neuigkeiten für mich. Er ist ja mein Chef-Unterhändler im Fall Taxi-Tussi.
Alles ist ganz anders gelaufen als geplant. Weder ist das Video, das die Taxi-Tussi mit Karacho über den Zebrastreifen donnern zeigt, wie mir die Polizei versichert hatte, beim Gericht eingetroffen noch war es richtig, damals ein Schuldeingeständnis zu unterschreiben, mit dem die Klägerin dann vor Gericht vorstellig werden konnte mit dem Hinweis: "Hier, er hat doch alles gestanden!" Michael meint, ich hätte da nicht die besten Ratgeber (seitens der Uni) gehabt. Ich hätte die 9.000 Yuan nicht zahlen sollen, ohne dass der gesamte Fall ad acta gelegt wird. Die Uni-Leute wollten die Sache nur ganz schnell vom Tisch haben.
Michael erklärt mir, dass noch mal eine Geldsumme gezahlt werden musste. Die ganze Familie sei noch mal notorisch aufgebracht vor Gericht erschienen und sei über den Skandal-Ausländer hergezogen. Das Gericht habe sich dem freilich nicht immer vorbehaltlos anschließen können. Ihre Gesamtforderung (30.000 Yuan) wurde dementsprechend reduziert, aber es wurde noch mal Geld gezahlt, damit die Causa ad acta gelegt werden konnte. Da ich aber damit ja nicht einverstanden war, hat Michael diese Summe mal eben für mich entrichtet. Er will mir auch nicht sagen, wie viel es war ("Some money!"), da das mich ("Jeder Mao an diese Frau ist noch zu viel!") ja doch nur aufregen würde.
"Ich muss dir doch das Geld wiedergeben!", beharre ich und weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Martin, mein simbabwischer Gebetspartner, hatte den Fall im Namen Christi zwar zu einem abgeschlossenen erklärt und so ist es auch gekommen; unterm Strich habe ich auch keinen Pfennig aus eigener Tasche bezahlt. Andererseits bin ich aber zweimal zu einer beträchtlichen Geldsumme verdonnert worden. Und die Taxi-Tussi und ihre paranoide Gesamtfamilie haben noch nicht mal kapiert, dass sie wie eine gesengte Sau über'n Zebrastreifen gebrettert ist und dafür eigentlich den Führerschein auf Lebenszeit hätte verlieren müssen. Es ist auch nie herausgekommen, dass sie sich selbst auf den Boden geworfen und ihren Kopf auf den Asphalt geschlagen hat, um sich anschließend wegen einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus behandeln lassen zu können. (Wie krank ist das eigentlich?) Ein Punkt aber, sagt Michael, habe Wirkung gezeigt: dass es Aufzeichnungen über die im Dienst befindlichen Taxis gebe. Angeblich hat die Tussi ja nach dem Vorfall tagelang ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können.
"We must forgive!", sagt Michael zum Abschied.
Ironie am Rande: Ich selbst habe mich auch gerade als Retter in der Not betätigt, weil Jianqing alias Xiao Li nach einem ihr zur Last gelegten Geldverlust in ihrer Firma finanziell in die Klemme geraten ist und drei Monatsmieten im Rückstand lag.