V.I.P.
Diese Geschichte hat eine Vorgeschichte: Jiakun hat mir am zweiten Februar eine Mitteilung mit der Frage geschickt, ob ich nicht irgendwann Zeit hätte, die unterbrochenen Sprachlerntreffen fortzusetzen. Sie hatte zu Beginn des letzten Semesters schwindendes Interesse signalisiert. Nun treffen wir uns also wieder, jetzt sonntags. Seit dem 8. Februar, ihrem Geburtstag, rennt sie mit Krücken rum. Weil sie in der Hektik des Aufbruchs zu einer kleinen Feier mit Freundinnen, tja, unglücklich gestürzt ist. Beim Treffen in dem Künstlercafé "Sculpting on Time" trafen wir am 11. März den mit mir gut bekannten Autor Huang Fan, der zu einer Dichterlesung mit französischsprachigen Kanadiern einlud.
Und da sind wir also heute, bei besagter Dichterlesung. Huang Fan war so frei mich als Spezialgast auch prompt auf das Werbeplakat setzen zu lassen, weswegen ich zuvor schon von Leuten auf die Veranstaltung angesprochen wurde, ohne zu wissen, wie die denn wissen können, dass ich da hingehen werde. Zum Glück konnte Jiakun das Rätsel lösen.
"Als V.I.P. habe ich natürlich einen Platz in der ersten Reihe", erkläre ich ihr, die mit ihrer Freundin abgeschlagen auf den hintersten Plätzen zu finden ist. Ich kann ihnen aber natürlich auf Wunsch noch einen Platz neben meiner deutschen Kollegin Ines, einer Historikerin, verschaffen. Auch Janet, die Frau, deren Umzug ich dereinst im August quasi im Alleingang bewältigte, ist unter den Gästen.
Einige Zeit später wird mir Jiakun dann erzählen, sie habe den kanadischen Dichter Danny in eindeutiger Situation mit einer Frau in einem Restaurant gesehen, die offensichtlich nicht seine Frau gewesen sein könne, weil die ja Koreanerin sei. "Da hast du dich bestimmt vertan", sage ich.