Nie war er so v.i.p. wie heute
Heute mache ich die Pause durch und beende den Unterricht fünfzehn Minuten früher, um pünktlich wieder auf dem Hauptcampus zu sein, wo ein Bus auf mich wartet, voll beladen mit ausländischen Fachkräften, die auf Einladung der Provinzregierung zwei Tage lang durch den Nordosten der Provinz kutschiert werden, eine Art Butterfahrt ohne Kaufzwang, Essen in Fünf- und Übernachtung in Vier-Sterne-Hotels inklusive.
Wir bekommen schon im Bus kleine grüne Hefte, in denen neben einem Reiseplan auch alle unsere Namen mit der Raumnummer im Hotel stehen. Ansonsten mutet man uns nach der langen Fahrt heute nicht mehr viel zu. Höhepunkt, der zugleich repräsentativ ist für das, was uns die nächsten zwei Tage erwartet und daher hier auch repräsentativ erwähnt wird, ist der Besuch des Yanchenger Stadtplanungsausstellungszentrums. Ein – so heißt das im Marketing-Jargon – Image-Film mit 3-D-Effekt (aber ohne Brille, wir wollen ja nicht übertreiben!), ein furioses Spektakel mit illuminiertem Stadtplanungsmodell (ca. 2 x 8 Meter groß) unterhalb der Leinwand macht klar: Warum kleckern, wenn man auch klotzen kann? (Kann auch sein, dass das mit dem Modell woanders war, jedenfalls beeindruckend dieser unerschütterliche Glaube an die eigenen Gestaltungsfähigkeiten.) Die Botschaft dieser Reise soll also sein: In China beginnt die glorreiche Zukunft genau jetzt.
Wir beschließen den Abend auf Einladung der Stadtverwaltung von Yancheng mit einem Festbankett in unserem Vier-Sterne-Hotel, dessen Gänge Raumschiff-Dimensionen haben. Aber zum Glück watscheln überall schicke Chinesinnen in roter Tracht herum, die einem helfen, ans Ziel zu kommen.
