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Dienstag, 15. Mai 2012

Didus allein und nicht zu Haus
Von didus, 23:59

Ich bin gestern Abend, da ich heute nicht unterrichten muss, nach Wuxi gefahren. Ganz einfach ist es nicht, hier ein Hotel zu bekommen, denn zweimal werde ich als Ausländer aufgrund irgendeiner rätselhaften Vorschrift abgewiesen. Am Ende lande ich in einem entlegenen Bezirk. Mit der Stadt habe ich noch eine Rechnung offen, denn bei meinem letzten Besuch dort, bin ich erkrankt und lag schlapp in der Gegend herum (sin-o-meter berichtete). Das war vor einem Jahr. Heute dagegen ist alles besser: Ich habe keinen Stau auf dem Weg zur Schildkrötenkopf-Halbinsel (Yuantouzhu), ich löse artig eine Eintrittskarte und ich lande diesmal auch nicht nach einer Querfeldein-Tour im Sanatorium für Provinzkader. Den ganzen Nachmittag verbringe ich auf der Halbinsel, die zu einem großen Park umfunktioniert wurde mit künstlichen Seen, einer alten Brücke, dem Guangming-Turm, einer Aussichtsplattform, von der aus man alles rundum sieht. Hier mache ich Pause. Nur zwei Studentinnen, die offenbar an diesem Arbeitstag auch frei haben, treiben sich außer mir hier oben herum. Auf einem Wanderweg kann man das ganze Areal umrunden. Auf einem Betonsteg am See mache ich lange Pause – keine Hektik heute! Die Sonne scheint; es fühlt sich an wie am Meer. Etwas zu spät fällt mir ein, dass die Fahrt auf die drei kleinen Sanshan- oder Dreiberginseln zwar im Preis inbegriffen ist, aber in China ja bekanntlich die Bürgersteige gegen fünf Uhr hochgeklappt werden. Und so ist es tatsächlich das letzte Schiff (16.45 Uhr), das ich erwische, um auf die etwa drei Kilometer entfernten Inseln überzusetzen. Mir bleiben 40 Minuten zur Besichtigung – sofern ich hier nicht übernachten will. Also pese ich im Eiltempo erst durch den Busch von Insel Nummer eins, die rechts von der Anlegestelle liegt, hinter der eine Brücke beide Hauptinseln verbindet. Dann sause ich den Hügel von Insel Nummer zwei hoch, die etwas größer ist. Das Gebäude mit der schönen Aussicht ist leider bereits seit 16 Uhr verriegelt. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Als die Fähre in Sicht kommt, fällt mir ein, dass ich Insel Nummer drei, die an Nummer zwei mit einer kleinen Brücke verbunden ist, noch gar nicht gemacht habe. Während die anderen auf dem Anleger auf das heranrauschende Schiff warten, renne ich mit Sieben-Meilen-Stiefeln noch einmal am Ufer entlang. Als ich auf Insel Nummer drei bin, bleiben mir ca. 10 Sekunden für einen Blick von hier auf den See. Dann geht es flugs zurück. Ich bin der letzte Passagier, der, etwas atemlos, an Bord kommt. Ich sitze auf dem Oberdeck, das so von herumschwirrenden Mücken oder Eintagsfliegen verseucht ist, dass viele Passagiere abschwirren, und denke: Na die verschwinden ja gleich, wenn das Schiff abfährt. Denn sonst müssten sie ja die ganze Zeit mit uns fliegen. Aber denkste. Die merken das gar nicht, dass das Schiff sich bewegt! Ignorantes Pack!
Ich bin früh genug für den Zug, der um halb neun fährt, und lasse mir viel Zeit. Ich kann in aller Ruhe zum Hotel zurückfahren und meine Sachen holen. Aber schon wieder Pustekuchen. Wegen einer dieser ^°#+* Baustellen, die von dieser Stadt, vom ganzen Land wie ein wucherndes Krebsgeschwür Besitz ergriffen haben, fährt der Bus auf der Rücktour eine andere Strecke und ich kann nur raten, wie weit ich schon vom Hotel weg bin, als mir endlich einleuchtet, dass ich mal schnell raus muss aus der schaukelnden Kiste. Und auf einmal schmilzt mein Zeitpuffer dahin. Ich muss ja jetzt erst mal einen Bus bekommen, der wieder zurückfährt. Und dann muss ich vom Hotel wieder einen Bus erwischen, der mich zum Bahnhof bringt. Die Buslinie 1 stellt aber in Kürze den Betrieb ein. Als ich endlich im Hotel bin, gibt mir die Dame von der Rezeption einen Tipp: Bus zum Bahnhof: an der Kreuzung rechts, dann hundert Meter. Aber – du ahnst es nicht! – ich lande wieder in einem Gebiet mit Straßenarbeiten. An einer Bretterwand, die die Straße vom Gehweg trennt, vorbei nähere ich mich einer Brücke. Auf der gibt es natürlich auch keine Haltestelle. Als ich von der Brücke komme, weitere zwanzig Minuten sind vergangen, ist ebenfalls keine Haltestelle in Sicht. Alles umgemodelt in dieser Stadt! Plötzlich hält direkt neben mir ein Bus (keine mir bekannte Linie) an einer Stelle, wo Leute herumstehen. Ein Haltestellenschild ist weit und breit nicht zu sehen. Das passiert häufig, wenn Busverkehr aufgrund von Baustellen umgeleitet wird. Nur die Einheimischen finden sich dann noch zurecht. Ich blicke auf die Uhr und denke: Also, den fragst du jetzt, ob er zum Bahnhof fährt. Das Glück ist mit mir an diesem Ehrentag. Und da es, als wir bald darauf am Bahnhof ankommen, bereits dunkel ist, brauche ich noch mal Glück: Der Fahrer macht mich darauf aufmerksam, dass dies die Station Hauptbahnhof sei. Hätte ich sonst glatt übersehen.

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