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Donnerstag, 21. Juni 2012

Am grünen Rand der Welt
Von didus, 23:59

... wird sich schon sehr bald mein neues Domizil befinden, denn nicht nur meine Bibliothek zieht es "aufs Land", wie viele Nanjinger den Ortsteil Xianlin trotz mehrspuriger, allerdings kaum befahrener Landstrassen ringsum nennen, auch mich. Die mir von Hongzhen empfohlene Agentur, vertreten durch den freundlichen Herrn Chen, etwa dreissig Jahre alt, holt mich an der U-Bahn (vorletzte Haltestelle der Linie 2) ab, dann steigen ich beim Vermieter aufs Moped, Chen eilt uns zu Fuss nach.
Bei meiner ersten Begegnung mit der Wohnung war mir bereits klar: Die musst du haben! In der Wohnung stand zwar nichts, kein Bett, kein Schrank, kein Stuhl, aber die Naehe zur Uni ist fuer mich das entscheidende Kriterium. Und: Wenn man von hier oben aus dem vierten Stock schaut, schaut man auf gruene Berge statt auf Hochhausfassaden aus Beton. Deswegen werde ich auch den bevorstehenden Verhandlungspoker verlieren. Der Vermieter heisst Fan Dong, traegt ein knallrotes T-Shirt mit der Aufschrift "Canada" und der dazugehoerigen Flagge. Das Rot, seine untersetzte Figur und sein Stoppelhaarschnitt lassen entfernte Aehnlichkeit mit einem der Panzerknacker aus Donald Duck erkennen. Hilflos wie Donald wirke ich auch bei dem Versuch, die Miete von 1.800 Yuan noch etwas zu druecken, denn eigentlich war mal von 1.500 Yuan die Rede und nur der inzwischen erfolgte Einbau einer Klimaanlage sorgt nun fuer eine Forderung in Hoehe von 1.800 Yuan. Vor ein paar Tagen hatte mir die Agentur sogar schon abgesagt. Alles Poker. "Tja", erklaere ich, als ich Fan Dong und Chen, die es sich auf dem neu angeschafften Sofa bequem gemacht haben, in meiner kuenftigen Wohnung gegenuebersitze, "die Uni zahlt mir aber nur 1.500 Yuan fuer eine eigene Wohnung." Tja, da sitzen wir nun. "Bisschen runtergehen", fluestert Chen ihm zu, "bisschen raufgehen" mir. Am Ende knicke ich schon bei 1.700 ein. Und Nebenkosten, die in China normalerweise der Vermieter traegt, wie mir Hongzhen spaeter mitteilt, kriege ich auch noch aufs Auge gedrueckt. Wir treffen uns wieder in Chens Agentur, wo ich 7.650 Yuan fuer Kaution, drei Monatsmieten und die Courtage fuer die Agentur loswerde, nachdem Hongzhen in Schanghai noch mal den Vertrag ueberprueft hat und mir am Telefon zum Unterschreiben geraten hat. Symptomatisch: Die Zusammenkunft endet vor dem Geldautomaten, an dem ich mein Konto pluendere. Danach fahre ich aber noch mit Fan Dong, der auch am anderen Ende der Stadt wohnt im Bus zurueck. "Den kannst du nehmen, der faehrt durch die Geschwindigkeit!", erklaere ich dem Panzerknacker, der seit er zuerst meinen Widerstand und dann mein Guthaben geknackt hat, ueber beide Backen grinst und einfach nur noch gut gelaunt ist. Ich wollte sagen: "Der faehrt durch den Tunnel", habe aber "sudu" mit "suidao" verwechselt. Bin irgendwie durcheinander seit dem Vertragspoker. Nach dem Tunnel steige ich dann um in die U-Bahn. Fan Dong nehme ich mit. Der kennt sich ja aber auch gar nicht aus mit Bus und Bahn!

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