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Sonntag, 02. September 2012

Scherbengericht
Von didus, 23:59

Türen und ich in China - eine ganz eigene Geschichte: 2004 kam jemand durch die Tür, während ich schlief und leerte meine Taschen. 2005 kriegte ich in China die Tür nicht auf, denn der Mechanismus im Hotelzimmer war kaputt. Und legendär ist mein Fußtritt im selben Jahr bei ca. minus 10 Grad Kälte, als ich die Eingangstür meiner damaligen Uni YUST eintrat, um Einlass zu erhalten. Und genau dieser Vorgang hat sich nun, als müsste ich einen nicht-digitalen Fingerabdruck an jeder Uni hinterlassen, an der ich unterrichte, auf dem neuen Campus der Nanjinger Uni wiederholt. Etwas ermattet komme ich also zu dem nagelneuen Gebäude, das neuerdings das Deutsch-Institut und meine Bibliothek beherbergt und will für den morgigen Unterricht die DVD "Liebe Mauer" aus selbiger holen, aber die Tür ist zu. Meine Universal-Campus-Karte ist immer noch nicht freigeschaltet. Zusammen mit dem immer noch fehlenden Internet und dem Chaos mit den Büchern, die sich leider nicht von selbst in die neuen Regale stellen, ist das alles einfach ein bisschen viel für mich. Wie damals im Winter von Yanji rufe ich nach dem Pförtner, wie damals muss der irgendwo sein, denn wie damals brennt innen Licht, wie damals klopfe ich wie ein Irrer und mache Krach. Dann rüttle ich energisch an der Glastür, die ein Stahlschloss auf der anderen Seite sichert. Und dann passiert es: Die ganze Tür bricht in sich zusammen wie Lord Voldemort im letzten Harry Potter, Tausende, was rede ich: Millionen kleinster, zentimeterdicker Scherben ergießen sich über mich, schlitzt meinen linken Arm auf, reißt ein Loch in mein T-Shirt. Aber der Pförtner ist immer noch nicht zu sehen. Mein Arm sieht aus wie der Oberschenkel von Ewald Lienen nach jenem legendären Foul. Ich blute auf dem Weg in den dritten Stock den Flur, Gang und Fahrstuhl voll. Mein Portmonee ist rot, die Hose kriegt Flecken. Ich blute wie ein Schwein im Schlachthof, aber ist natürlich alles halb so wild. Anders als damals gibt es keine Rangelei mit dem Pförtner, als ich mit der DVD zum Ort des Geschehens zurückkehre, wo der fassungslose Mensch vor dem Scherbenhaufen seiner Daseinsberechtigung steht. Ich hinterlasse vielmehr brav meinen Namen. Und um mir selbst zu beweisen, dass ich völlig unversehrt bin, klettere ich mit dem blutenden Arm auch noch über den zwei, drei Meter hohen Zaun, der mich neuerdings (auch so ein Ärgernis) von meinem neuen Zuhause abschneidet. Und das gleich vier Mal, denn ich muss noch mal zurück: Habe ich doch in der Aufregung meinen Schlüssel im Büro vergessen. Tja, man muss immer das Positive sehen: Beim zweiten Mal komme ich ganz leicht rein!

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