Auf Vortragsreise - Episode 3
Ich schlage mich in alter Manier mit Bus Nr. 28 zu meiner alten Wirkungsstätte durch, wo drei Tage lang der 20. Geburtstag begangen und durch einen "YUST Homecoming Day" von Ehemaligen unterstrichen wird und wo die Deutsch-Abteilung bereits ein Zimmer für mich gerichtet hat. Vorher schaue ich noch mal kurz bei meinem alten Kollegen Martin vorbei. Dann geht es Schlag auf Schlag: Zunächst gibt es einen "Homecoming-Empfang" für alle Angereisten, bei dem man aber vergisst mich zu empfangen, denn ich bin ja kein Koreaner. Dann stürmt aber doch noch jemand nach vorn ans Redner-Pult und vorne heißt es dann: "Do we have someone from Germany?" Nun kann ich also doch endlich aufstehen und ins Publikum winken. Natürlich treffe ich einige alte Bekannte: Elliot Lee, Sam Folta und der Computer-Sam sind gekommen. Und Dana, aber der ist ja kein Heimkommender, sondern Dagebliebener. Ja, es gibt sogar eine Tasche mit Geschenken für mich: Der YUST-Pullover (grün) stammt zwar eigentlich noch vom 10. Geburtstag, aber man hat schlicht eine knallorangene 20 drübergenäht. Passt scho'. Das rosa Handtuch kann ich auch gut gebrauchen, denn ich habe kein Handtuch mitgebracht. Die Kosmetik-Artikel, die es in der Wundertüte auch noch gibt, waren wohl für mitgereiste Frauen gedacht. Koreaner müssen ja in dem Alter verheiratet sein.
Dann Mittagessen mit den werten Kollegen von der Deutsch-Abteilung, frisch verstärkt mit jungen Kräften. Zaghaft bringe ich schon mal mein Anliegen vor, den alten Elektro-Radiator, den ich hier 2005 zurückließ, zu entführen, weil ich jetzt in der neuen Wohnung keine Heizung mehr habe. Wo mag der stecken?
Am Nachmittag folgt dann der von allen mit Spannung erwartete Vortrag zu Herta Müller. Ich fand mich gestern besser in Form. Es ist ja schon der zweite Aufguss.
Am Abend gibt es dann die übliche Tanz-, Taekwondo-, Theater- und Gesangsveranstaltung anlässlich des Jubiläums draußen auf der Tribüne des Sportplatzes. Höhepunkt: ein Mummenschanz mit bunten Leuchtstangen auf schwarzen Kostümen, die die Studenten auf der Bühne wie hüpfende Skelette aussehen lassen. Wir frieren schon ganz schön da draußen auf dem Fußballfeld (ist ja nicht Nanjing hier), doch man kann sich am Ende am Feuerwerk und dem großen Fackel-Schriftzug mit den YUST-Buchstaben erwärmen.