Peking Land unter
Tja, für uns gibt es leider keinen Bus! Nur Patrizier, die Herren und Damen Professoren und sonstige wichtige Leute, die der konfuzianischen Hierarchie-Lehre gemäß auch in einem besseren Hotel untergebracht sein sollen, wie von einigen Unzufriedenen gemunkelt wird, werden, obwohl dieses Hotel näher liegt, im Anschluss an die "Nacht des Beijing Forums", eine farbenprächtige Bühnenshow mit ansprechend choreografierten Tänzen und Musik, an der großen Halle der Uni abgeholt und dürfen trockenen Fußes nach Hause eilen. Wir Plebejer bekommen eine müllsackähnliche Einwegjacke ausgehändigt (immerhin!) und dürfen zu Fuß nach Hause und das heißt: durch knöchelhohe Seen. Denn Peking besitzt im Gegensatz zu Qingdao, wo die Deutschen sich um die Infrastruktur verdient machten, keine Kanalisation, die verhindern würde, dass alle Straßen nach einem Tag Regen komplett unter Wasser stehen. (Das mit der Qingdaoer Kanalisation sagen übrigens die Chinesen selbst.) Außerdem ist die Temperatur abgestürzt. Viele meiner Kollegen, die unter Führung der deutschen Organisatorin auf dem Weg ins Hotel sind, klagen nicht nur über nasse Füße, sondern auch über Hände, die sich anfühlen wie erfroren. Ich habe mich lange schadlos gehalten, gehe auf Bordsteinkanten und springe über die kleineren Wasserlachen auf den Straßen. Doch dann, vor einem Portal, das wir passieren müssen, erwischt es auch mich: An diesem Engpass ist einfach kein Inselchen auszumachen, zu dem man springen könnte. Das Wasser steht in einer Senke. "Oh nein!", stöhnen bereits einige Kollegen. "Naja, nasser als nass geht ja sowieso nicht."
Schon der Weg zum Festakt glich einer Tour-de-force. Wenn nachts nicht nur alle Gebäude und Straßen grau sind, sondern auch noch nass - wie will man da ans Ziel finden?