Das Cinema Paradiso des Mr. Phaek
Diesmal sollte der Bus, also, was man hier Bus nennt, um vier Uhr wieder am Strand, diesmal dem Strand von Kalama etwas weiter im Norden der Insel, sein. Als ich trotz ungwohnt vorzeitigen Erscheinens keinen Bus weit und breit erblicke, erleide ich abermals einen totalen Fadenriss auf der Geduldsebene und sage mir: Wenn ich am Montag 15 Kilometer Langstreckenmarsch ohne ernsthafte Schwierigkeiten und auch ohne weiche Knie hinter mich zu bringen verstand, kommt es auf zehn Kilometer mehr auch nicht an, bin doch offenbar gut im Training. Und los geht es: erst mal zehn Kilometer Küstenstraße mit Meerblick bis Patong, wo sich ein kleiner Hoffnungsschimmer rasch erledigt: Ich werde bei einem Mopedverleih nahe des Tsunami-Opfer-Mahnmals vorstellig (muss erst mal ums Haus und laut rufen), der mir am Montag auf dem Gewaltmarsch aufgefallen war, aber die verlangen einen Pass und Geld habe ich auch nicht genug bei mir. War ja klar, dass daraus nichts wird. Und nun sind es ja auch nur noch 15 bescheidene Kilometerchen bis zum anderen Ende der Insel. Auch heute komme ich kurz vor dem Gipfel des Passes, der auf dem Weg vom Westen zum Osten der Insel zu überqueren ist, wieder an Mr. Phaeks Heimkino vorbei und nun ist auch klar, dass das, was ich da erlebte, nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist. Der Mann muss eine lokale Attraktion sein: Auf einem Platz am Rande der lauten Hauptstraße, etwa so groß wie eine Nothaltebucht auf deutschen Autobahnen, steht ein riesiger Filmprojektor und spult ratternd einen Film in thailändischer Sprache ab, der am anderen Ende des Platzes über einer Leinwand flimmert, und der Filmton ist sogar lauter als der Krach der vorbeirasenden Kraftfahrzeuge. Davor sitzt unter einem Dach auf einer Bank wie vor zwei Tagen Mr. Phaek mit Frau und Kind.