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Mittwoch, 30. Januar 2013

Die James-Bond-Insel
Von didus, 23:59


Es beginnt mit dem grünen Band der Sympathie. Das bekommen die Reisenden, die kurz danach am kleinen Hafen Ao Poh im Osten von Phuket einen etwas wackeligen Kahn besteigen, nämlich umgebunden, damit sie auch wiedererkannt werden können. Da ich ja gewohnheitsmäßig allein reise, bindet mir freundlicherweise der deutsche Freund der Holländerin Alexa, das Bändlein der Sympathie um. Ein bisschen komme ich mir vor wie Wolfgang Petry. Alexa und ihr deutscher Lebensabschnittsgefährte, beide Anfang zwanzig, haben eine wüste etwa halbjährige Erfahrung hinter sich. Sie wurden in Indien für eine neu gegründete, etwas undurchsichtige Schule angeworben, wurden den Verdacht nicht los, dass die Firma eigentlich der Geldwäsche dient, um ihren Lohn geprellt und am Ende angeschwärzt und bedroht. Prompt haben sie Indien in Richtung des etwas reizvolleren Thailand verlassen. Undurchsichtig sind auch die Witze, die oben an Bord im Luftstrom des offenen Schiffs der thailändische Reiseführer über "Ladyboys" macht, aber vielleicht ist auch nur sein Englisch etwas holprig. Auch diesmal ist die Zusammensetzung an Bord international. Ein Franzose, der in Xian lebt und vor den Frühlingsfestfeierlichkeiten der Familie seiner chinesischen Frau nach Thailand geflohen ist, versucht die drei trutschigen Chinesinnen in ein Gespräch zu verwickeln, neben die das Schicksal ihn gesetzt hat, während wir in dem Boot zur Phing-Kan-Insel sitzen, an der der Kahn nicht direkt anlegen kann. Ich sitze stumm amüsiert dahinter. Ehe das Gespräch einigermaßen Fahrt aufgenommen hat, legen wir an. Wir dürfen an den Verkaufsbuden vorbei über Phing Kan klettern, neben den anderen Touristenhorden eine halbe Stunde lang die Insel mit ihren Höhlen im Felsen inspizieren und einen Blick auf die turmähnliche Mini-Insel Tapu werfen, von der alles spricht. Wenn man dabei den richtigen Winkel wählt, kann ein Foto wie oben zu sehen dabei herauskommen. Später - wir sind wieder an Bord des Kahns zurückgekehrt, haben ein üppiges Mittagsbuffet (im Preis inbegriffen) genossen, bei dem ich das verhasste Schlangestehen erfolgreich mit Hilfe von "Niemand stirbt für sich allein" ausgesessen habe, und sind vor der großen Insel Panak in Kanus umgestiegen -, später also sitzt der bei den Chinesinnen so glücklose Franzose dann mit mir im selben Boot, in einem Kanu für drei Personen. Wir kommen dabei - die Konversation klappt viel besser als mit den Chinesinnen - aus dem Staunen nicht heraus, denn unser Steuermann, der hier einfach nur der Mann am Paddel ist, schleust uns durch einen am Ende dann doch ziemlich schmalen, finsteren, etwa hundert Meter langen, grottigen Tunnel, den das Meerwasser in den Felsen gebohrt hat, in eine - ja, wie nennt man das? - Lagune. Dort wachsen Mangroven zwischen seichtem Meerwasser auf einer Sandbank. Fasziniert entsteigen wir dem Kanu und wandern in dem Refugium, das jedem James-Bond-Bösewicht als Heimstatt einer geheimen Raketenbasis gerecht werden würde, durchs flache Wasser. Sonnenlicht kommt nur von oben, denn der Ort, wo wir rausgekommen sind, ist ein gewaltiger Schacht im großen, grün bewachsenen Archipel. Danach fährt der Kahn uns zu einer kleinen Bucht der Nachbarinsel Lawa zum finalen Badevergnügen. Einer springt euphorisch vom Oberdeck, ich begnüge mich mit einer geringeren Fallhöhe. Wir wollen ja nicht übertreiben! Es sind nur etwa fünfzig Meter bis zu dem kleinen Strand. Ich durchschwimme eine kleine Höhle im Meerwasser und schlitze mir natürlich gleich das rechte Knie auf. Das linke hatte es auf Phi Phi erwischt. Nun sehen sie wieder gleich aus.
Mein Paddler wird schon nervös. Denn natürlich bin ich wieder der Letzte, der eingesammelt und an Bord zurückgepaddelt wird. Als Belohnung gibt es die vom Reiseführer angemahnten zwanzig Baht Trinkgeld. Vorher darf man sich mit einer Art Gartenschlauch auf dem Unterdeck das Salz von der Haut duschen. Die Düse ist so laut, dass ich das Geschrei am Rande nur von ungefähr bemerke. Als ich die Duschdüse aus der Hand lege und mich umdrehe, sehe ich mich einer jungen Russin gegenüber, deren Sommerkleid trieft. Ich muss mit der Düse wohl etwas vom Kurs abgekommen sein. "Oh!", entschlüpft es mir und zur Entschuldigung: "It's only water!" Trocknet transparent. Die Russin scheint die Erfrischung nicht sonderlich übel zu nehmen.
Nun beginnt leider schon die Rückreise. Und die gereichten Früchte sind auch fast alle weg, als ich das Oberdeck erreiche. Wer zu spät kommt ... Doch halt, nein!, der freundliche Franzose mit der Frau in Xian hat mir extra ein paar unpanierte Ananasstücke gerettet, weil ich ihm vorher so viel von den panierten Ananasstückchen vorgeschwärmt habe, die es zum Mittag gab. Wenn das nicht ideal passt zu fünfzig Jahren deutsch-französischer Freundschaft!
Die Chinesinnen haben jeden freien Körperteil mit weißem Tüll abgedeckt, damit ihre Haut ja nicht braun wird, und sehen aus wie Tim und Käpt'n Haddock im Wüstensturm. Klar davon zu unterscheiden die Russinnen, denen kein Kleidungsstück knapp genug ausfallen kann. Zwei sitzen mit mir am Heck des abfahrenden Schiffs vor der im Wind flatternden Thailand-Flagge. Noch einmal kann ich die märchenhaft aus dem Meer ragenden Felseninseln bewundern und mir James Bond bei einer Speed-Boot-Verfolgungsjagd zwischen den Archipeln hervorsausen vorstellen. Dann sind wir wieder in Ao Poh. Ich kaufe noch einen Schnappschuss, der ohne mein Wissen bei der Rückkehr aus dem Insel-Tunnel gemacht worden ist. Und dann, während ich mir im Transfer-Transporter (klimatisiert) von Alexa und ihrem Freund das Indien-Drama schildern lasse, bleibt nur noch die Erkenntnis aus dem Reiseprospekt: "Return home and dream of the paradise you have been part of!"

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