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Mittwoch, 06. Februar 2013

Das Zoll-Imperium schlägt zurück - Teil 1
Von didus, 13:45

Eigentlich gibt es nur zwei Arten des Reisens: Bei der einen ist man von Touristen umzingelt und bei der anderen von Problemen. War es Mark Twain, von dem der Ausspruch stammte? Nun, wenn sich kein anderer Rechteinhaber findet, dann stammt er eben von mir und kann mit dem heutigen Tag eindrucksvoll belegt werden. Wie bereits im letzten Eintrag erwähnt, bin ich ja vor zwei Jahren, also anno 2011, bereits einmal über den Mekong nach Thailand gekommen und damals wollte niemand ein Visum oder auch nur meinen Pass sehen. Das wäre auch gar nicht möglich gewesen, denn den hatte ich in Laos gelassen. Eingedenk dieser Erfahrung bodenloser Unkompliziertheit besteige ich auch jetzt das Holzboot, das als Fähre dient, und lande also in Laos. Doch da verlaufen die Formalitäten am Zoll nicht ganz unkompliziert. Ich solle, heißt es, noch mal zurück. Ich müsse mir in Thailand einen Ausreisestempel holen. Was interessieren die Laoten irgendwelche nachlässigen Thai-Zöllner argumentiere ich, aber nichts zu wollen. Ich muss wieder rüber. Nun kostet diese dämlich Drei-Minuten-Fähre allerdings jedesmal vierzig Baht. Das kann man doch sparen, denke ich, deponiere Rucksack und Tasche am Zoll, deponiere Schuhe und T-Shirt am Strand, packe meinen Reisepass in die verschließbare Hosentasche meiner kurzen Allzweckhose und gleite hinein in die Fluten des Mekong. Wäre doch gelacht, wenn ich da nicht einfach rüberschwimmen könnte. Doch das Wasser ist leider überhaupt nicht zu vergleichen mit dem in der Bucht von Phiphi Leh, es ist viel kälter und irgendwie trägt es auch nicht so gut. Ich strample und habe das Gefühl, dass das andere Ufer gar nicht näher kommt. Dann tauchen auf einmal Schlagzeilen von Leuten vor meinem geistigen Auge auf, die beim illegalen Grenzübertritt in der Oder ertrunken sind, und allein die Vorstellung, als depperter Tourist von lachenden Laoten aus dem übrigens erschreckend trüben Mekong-Wasser gefischt zu werden, nötigt mich, das Unterfangen kurzerhand abzubrechen. Ich bin aber immerhin schön erfrischt, als ich mein Portmonee mit dem Kleingeld vom Zoll hole, dabei den Eingangsbereich mit dem Schlamm an meinen Füßen besudele und an Bord des Bootes klettere,wo es leider keinen Rabatt wegen häufiger Nutzung gibt. Dann stehe ich in einer Schlage am Zollabfertigungshäuschen am thailändischen Ufer des Flusses und stelle fest: Ich habe die Zollerklärung nicht. Deswegen will der Beamte, der mich außerdem auffordert, mir ein Hemd anzuziehen, keinen Ausreisestempel geben und auch sonst nicht helfen. Überhaupt niemand macht Anstalten mir zu helfen. Ich kann auch nirgends das Ausreiseformular finden, obwohl alle eins in der Hand halten. Das liegt sicher nicht nur an fehlenden Englisch-Kenntnissen, sondern auch an meinem desolaten Auftreten. Und als ich das mit dem Hemd zu erklären versuche, dass sich dieses also quasi, sozusagen am anderen Ufer des Mekong befindet, wird auch das Auftreten des bulligen Zöllners auf der anderen Seite des Schalters desolat. Er brüllt mich an, wie das denn sein könne, dass ich sein Land einfach so unerlaubt verlasse. Der Witzbold erkläre ich sinngemäß, was weiß ich denn von seinem blöden Ausreisestempel. Hat mich ja keiner aufgefordert, mir einen solchen zu beschaffen, und keiner gehindert, die Fähre über den Mekong zu besteigen. Die spinnen, die Thailänder! Er solle jetzt mal endlich seinen Stempel in meinen triefenden Pass hauen. Da werde ich abgewiesen und in das Hinterzimmer des Zollgebäudes zu einem Gespräch mit einem höheren Beamten geführt. Dort rede ich so schnell Englisch, dass er nicht folgen kann, ebenfalls die Nerven verliert, obwohl er eben noch ganz höflich und ruhig gewirkt hat, und mich seinerseits anbrüllt, wie ich denn einfach ohne Stempel ausreisen könne. Ich erkläre, dem Wortlaut eines beliebten Werbespots der Bundesrepublik Deutschland folgend, ich sei Deutschland und könne hingehen, wohin ich wolle, und wenn ich beschlossen hätte, dieses komische Thai-:and zu verlassen, dann könne mich auch keiner stoppen ob mit oder ohne so einen blöden Stempel.Ob ich den jetzt also bekäme oder nicht. Nicht. Also verlasse ich wutentbrannt diese bescheuerte Holzhhütte, überlege kurz, ob ich vielleicht von dieser Seite über den Fluss ... Nein, ich sitze also zum dritten Mal im Boot über den Mekong, treffe einige der Touristen aus der Schlange von vorhin wieder, und erkläre beim laotischen Zoll: "Tja, die wollen mir aber keinen Ausreisestempel geben" und jetzt könnten die mich mal. Keine zehn Pferde würden mich noch mal zu diesen wenig hilfsbereiten Thai-Zöllnern bringen. Aber es gibt auch kein Visum für Laos. Mir reicht's. In einer Übersprungshandlung informiere ich mich am Stand nebenan über Boote nach Luang Prabang; doch dafür finden sich offenbar nicht genug Leute. Die Tante in der Hütte vor dem Zoll, die die Visa kontrolliert,habe ich da bereits hinter mir gelassen. "Ja, ja, gleich", erkläre ich. Ist doch hier sowieso nichts ordentlich organisiert. Und dann brenne ich einfach durch. Leider finde ich den Weg zum Busbahnhof von Houay Xai nicht mehr und muss in der sengenden Sonne wieder in Richtung Mekong zurückkehren. Als ich den richtigen Weg ermittelt und endlich die richtige Richtung eingeschlagen habe (nur noch sieben Kilometer), habe ich Glück - ein junger Mopedfahrer nimmt mich, den bereits sichtlich von der Hitze Angesengten, mit. Das ist sogar doppeltes Glück, denn in den letzten beiden Jahren ist der Weg zum Fernbus noch etwas weiter geworden: Man hat die alte Busstation zur Tankstelle umfunktioniert und die neue erstrahlt einen halben Kilometer weiter in für laotische Verhältnisse ungewohntem Glanz. Doch woher hätte ich das mit meinem Kenntnisstand von 2011 wissen sollen?
Als ich die Fahrkarte nach Luang Prabang für 17 Uhr erwerbe, also Zeit genug, werde ich allerdings stutzig: Die Verkäuferin fragt mich, ob ich der sei, der durch den Mekong geschwommen sei. "Nein, nein", antworte ich, "nur versucht!" Aber viel interessanter ist doch die Frage: Woher weiß die das? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Aber ich lasse euch ein bisschen warten. Nur so viel: Das Zoll-Imperium schlägt zurück!

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