Geordneter Rückzug
Heute versuche ich mal alles richtig zu machen - generalstabsmäßig geplanter und geordneter Rückzug aus Chiangmai: Zunächst fahre ich mit dem Fahrrad zur Fernbusstation, die noch weiter entfernt liegt als der Bahnhof. Die Idee: dort das Gepäck aufgeben und anschließend vom Hotel aus locker zu Fuß dorthin zurückkehren, denn das Fahrrad kann ich ja leider nicht mitnehmen. Das Mädel von der Gepäckaufbewahrung hat mich am Sonntag schon halb zum Wahnsinn getrieben, als ich zum ersten Mal hier war. Ich wollte nur den Preis erfragen und sie hat immer nur den Kopf geschüttelt, weil sie annahm, ich wolle das Fahrrad einstellen lassen. Typischerweise war es eine Chinesin, die mir dann helfen konnte, das Missverständnis aufzuklären. Und heute bin ich auch nicht so glücklich, weil sie mir die Stofftasche, die ich an meinem Rucksack festgebunden habe, gleich noch als zweites Gepäckstück berechnet. Außerdem zahle ich den Tagessatz, dabei will ich in zwei Stunden schon wieder hier sein. Vor dem Schalter von "Green Bus", der die günstigste Verbindung an die laotische Grenze anbietet, stehen ganz schön viele Touristen herum. Ich muss eine Nummer ziehen wie bei uns beim Arbeitsamt und kann daher das Fahrrad nicht pünktlich um 10 Uhr zurückgeben. Doch bei Maeping übersieht man die rund 45-minütige Verspätung und mir bleibt trotz allem noch genug Zeit für einen letzten Ausflug zum Tapae-Tor und der alten Stadtmauer. Dann mache ich mich ganz entspannt auf den zwei bis drei oder auch viereinhalb Kilometer langen Weg zum Bus, esse ich in der langen Straße, die zum Busbahnhof führt, noch schnell zu Mittag in einer Schilfrohrhütte am Wegesrand.
Um 13 Uhr fährt der Bus in Richtung Grenze ab. Durch das nordthailändische Hochland geht es dann nach Chiangkhong, wo ich mich bereits auskenne, denn ein etwa dreistündiger Ausflug vor zwei Jahren führte mich bereits von Laos aus hierher. Diesen unternahm ich damals ohne Visum und dafür wird sich das Schicksal jetzt bitter rächen. Aber der Reihe nach: Der "Greenbus" kommt nach Einbruch der Dunkelheit in dem kleinen Grenzort an. Eine Hotelbesitzerin greift alle Ausländer außer mir gleich ab und schleift sie in ihr Hotel (Herdeninstinkt). Ich bleibe allein in der Dunkelheit zurück, denn ich will sofort an den Grenzfluss Mekong, weil ich am liebsten sofort nach Laos übersetzen würde. Daraus wird leider nichts. Die Grenze ist dicht. Ich finde eine billige, allerdings leicht mückenverseuchte Absteige im Obergeschoss eines Kramladens. Meine Nachbarn sind ein französisches Pärchen. Das Klo liegt auf dem Dach des Anbaus und ist ein der Zivilisation mühsam abgerungenes Feuchtbiotop, in dem die Shampoo-Flaschen von einem Jahr Notabsteige für Touristen für die nötigen exotischen Farbtupfer sorgen. Ich kaufe noch schnell bei Seven-Eleven ein, was ich immer einkaufe, und denke darüber nach, ob ich das Schnellboot nach Luang Prabang nehmen soll, das mir der freundliche junge Mann an einem Touristenstand vor der geschlossenen Grenzstation angeboten hat. Das kostet allerdings 1.800 Baht, die mein Reiseportmonee kaum noch ausspuckt, und soll mörderisch laut sein. Es wäre aber dennoch die bessere Entscheidung gewesen in Anbetracht des Desasters, das vor mir liegt und unter dem Titel "Das Zoll-Imperium schlägt zurück!" in meine Biografie eingehen wird.