Zurück auf dem Jiuhuashan
Wiedersehen mit einer der malerischsten Gegenden in China, dem so genannten Neunblumenberg. Der lag bei meinem letzten Besuch dermaßen im Nebel (sin-o-meter-Bericht und Fotos finden sich hier), dass ausgemacht war: Ich muss da noch mal hin! Bei Sonnenschein. Und den haben wir momentan Tag für Tag.
Ich lande zwar erst mal an der falschen Nanjinger Busstation. Doch mit Bus Nummer 10 ist das Versehen rasch korrigiert. Fahrpreis: 84 Yuan, Abfahrt um zwei Uhr, Ankunft vier Stunden später. Die große Abfertigungshalle am Fuße des Berges, die ich schon kenne, ist werktags am frühen Abend bereits sichtlich ausgestorben, während an Wochenenden Absperrungen benutzt werden müssen, um der Touristenhorden Herr zu werden. Für insgesamt 240 Yuan (190 Yuan für den Zugang zum Jiuhuashan, 50 Yuan für den gelben Tourbus, den ich insgesamt viermal nutzen darf) erwerbe ich das Recht zur touristischen Erkundung der Berge. Ich muss in dem bis auf ein paar schwatzende Angestellte leeren Wartesaal über eine halbe Stunde warten. Erst als eine späte Touristengruppe eintrifft, fährt wieder einer der gelben Busse nach oben.
Ich finde prompt das schön billige Drei-Sterne-Hotel vom letzten Mal wieder und statt der schreienden Bedienung von damals ist diesmal ihre wesentlich sympathischere mutmaßliche Tochter an der Rezeption anzutreffen. Ohne Klimaanlage bin ich bei hundert Yuan pro Nacht. Das ist ein annehmbarer Preis in dieser Touristenhochburg. Sicher wolle sie jetzt für die Registrierung meinen Pass, sage ich noch; dann zucke ich innerlich zusammen... Denn auf einmal wird mir klar, warum ich die ganze Zeit so ein unerklärliches Gefühl hatte, dass etwas nicht stimmt: Mein Pass, ohne den man ja in China nirgends eine Bleibe findet, ist definitiv zu Hause geblieben. Auch die sympathische Rezeptionistin ist da eisern: Wir müssen zur Polizei. Dort gibt es ein Hin und Her. Der überforderte PvD muss den Chef aus dem Bett jagen. Aber der kann auch nichts anderes sagen, als dass es ohne Pass nicht gehe. Ich müsse wieder ins Tal. Aber da werde man mir auch nicht weiterhelfen. Und wie soll ich jetzt ins Tal kommen? Da fährt doch keiner mehr runter. Fest steht: Es geht so nicht. Es gibt keine andere Lösung. Eigentlich gibt es gar keine Lösung. Eigentlich muss ich nach Hause zurück, aber es fährt ja jetzt kein Bus und auch kein Zug mehr. Eine Telefonat mit dem nächsten Vorgesetzten. Gleiche Aussage: geht nicht. Zwanzig Minuten später bedankt sich das Mädel von der Rezeption und wir gehen zurück ins Hotel. Ich habe keine Ahnnung, was aus den Verhandlungen am Ende herausgekommen ist, sage mal auf Verdacht, dass ich einfach zu kein Glück habe. Aber sie meint: "Doch, du hast Glück!". Da dämmert mir, dass die Polizei ein Auge zugedrückt hat. Ich kann bleiben.