Im Palast des sterblichen Fleisches
Heute ist das Wetter wieder genau so, wie ich es von meinem ersten Besuch auf dem Jiuhuashan in Erinnerung habe: neblig, grau, im Dauerregen. Trotzdem mache ich mich am Vormittag durch den dichten Nebel noch einmal auf, jenen Ort zu erkunden, den ich letztes Mal verfehlt habe: Xiao Tiantai, den Tempel auf dem kleinen Hügel. Den finde ich nach dreißig Minuten, in denen es von Jiuhuashan-Dorf aus nur mäßig steil bergauf ging, im Nebel. Die Aussicht ist gleich Null. Dennoch sind auf den regennassen Stufen viele wochenendabhängige Touristen in Plastiksäcken unterwegs. Wenige Meter von Xiao Tiantai entfernt erhebt sich eine Pagode, auf die man leider nicht hinauf kann, in die wabernden Dunstschwaden. Pagode und Xiao Tiantai habe ich immerhin gestern schon aus der Ferne betrachten können: bei meinem Aufstieg zum Tiantai. Logische Konsequenz und wissenswert für alle, die die Reise zum Jiuhuashan selbst machen möchten: Vom Xiao Tiantai aus führt eine Treppe abwärts direkt zum "Phenix-Spot", von wo aus man den Aufstieg zum Tiantai beginnt. Frühaufsteher können die ganze Tour also ohne gelben Bus an einem Tag schaffen. Für mich dagegen heißt es jetzt Abschied zu nehmen. Ich werfe noch einen Blick in den "Palast des sterblichen Fleisches" ("Palace of the Flesh of Mortals"), wo man dem Buddha Münzen in zwei Becken werfen kann, damit man das Zeitliche nicht zu früh segnet (ich denke bei solchen Gelegenheiten immer ans Gegenteil: einmal reinlangen und die nächste Busfahrkarte sparen). Von hier aus sind es nur noch wenige Stufen bis Jiuhuashan-Dorf. Ich bin mittags wieder im Tal und erwerbe eine Fahrkarte nach Nanjing für 13 Uhr. Als Verpflegung dienen mir Choco-Prince-Kekse. In Nanjing scheint sich das Tiefdruckgebiet bereits gestern ausgetobt zu haben. Ausnahmsweise fahre ich nicht mit der U-Bahn zurück, sondern mit Bus D1.