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Mittwoch, 08. Mai 2013

Von Pontius zu Pilatus
Von didus, 23:59

Es regnet. Ich bin spät dran. Ich möchte von der Uni das Geld erstattet bekommen, das ich im Frühjahr für meine aufwändige Zahnrestauration aufwenden musste. Dafür muss ich in die Innenstadt zum alten Campus. Als ich dort gegen 11.15 Uhr ankomme, heißt es, die zuständige Person habe ihre Unterlagen bereits zusammengepackt und sei gegangen. Mir wurde aber nur mitgeteilt, dass ich am Vormittag kommen soll. Ist 11.15 etwa nicht Vormittag? Zudem findet diese Erstattung nur jeweils an drei Tagen am Monatsbeginn statt, von denen für Mai heute der letzte ist. Ich glaube, gleich laufe ich Amok!
Schon stehe ich beim Amt für Ausländerangelegenheiten in der Tür und um meiner unübersehbaren Erregung entgegenzuwirken, führt man für mich einige Telefonate. Ergebnis: Um 14 Uhr könne ich nun doch noch einmal mein Glück bei der Gelderstattung versuchen. Als ich dort jedoch meine Belege vorlege, heißt es: "Sie brauchen eine Rechnung, aus der alle Einzelposten der Behandlung hervorgehen." Ich brauche eine Weile, bis ich die direkten Konsequenzen dieser Aussage begriffen habe. Für mich heißt das nämlich: Ab in die Zahnklinik! Bis um vier Uhr könne ich die dort zu erhaltende Rechnung noch einreichen.
In der Zahnklinik-Gulou stehe ich zunächst am Schalter, dann schickt man mich zu meiner Ärztin. Die ist ganz verblüfft mich wiederzusehen. Da ich den chinesischen Begriff für "Erstattung" mit "Schadenersatz" verwechselt habe, reagiert sie erst mal ganz verstört. Als das Missverständnis geklärt ist, finde ich mich in der Schalterhalle wieder, allerdings an der kleinen Ecktheke, zu der die Zahnärztin mich geschickt hat. Hätte ich auch gleichen finden können. Dort versteht man mein Anliegen sofort und stellt mir nun endlich die gewünschte Rechnung aus. Da ich bis vier Uhr noch etwas Zeit habe, gehe ich zum nahegelegenen Postamt und verschicke zwei Urkunden für Gewinner des von mir mit Mitteln des Akademischen Austauschdienstes durchgeführten Übersetzungswettbewerbs. Dann bin ich wieder an der Erstattungsstelle. Doch leider kann man mir hier kein Geld geben. Man schickt mich an einen anderen Ort, den ich aber gar nicht kenne. In der Schalterhalle unten bekomme ich eine notdürftige Erklärung und begebe mich auf den Gulou-Campus, wo ich verdachtsweise das Büro für die Ausstellung von Campuskarten aufsuche, da die ja auch immer mit Geldangelegenheiten zu tun haben. Dort zeigt man durchs Fenster auf ein gegenüberliegendes Gebäude, dessen Namen ich mir einpräge. Damit wandere ich los und finde tatsächlich ein Gebäude, dessen Erdgeschoss aussieht wie eine Bankfiliale. Die Atmosphäre - bergeweise Belege und Abrechnungszettel, hinter denen junge Frauen akribisch ihrer Sortier- und Archivierungsarbeit nachgehen - erinnert an den verstörenden Science-Fiction-Film Brazil. Ich stehe erst am falschen Schalter und erhalte dann endlich bei der richtigen Dame mein Geld. Das Geld für die Krone, mit knapp 1900 Yuan der Hauptposten, wird mir leider nicht erstattet, aber ich bin trotzdem ein paar Hunderter reicher.

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