In Zeiten des zunehmenden Lichts
In Zeiten des zunehmenden Lichts und der bereits um die dreißig Grad heißen Tage kann man so eine Lesung auch mal draußen vor dem Sprachlehrgebäude des neuen Campus stattfinden lassen, haben sich die Veranstalter gedacht. Zu Besuch ist "In Zeiten des abnehmenden Lichts"-Autor Eugen Ruge, Gast des Goethe-Instituts und der Uni Nanjing. Wir sitzen aber zum Glück im Schatten. Nur dass ausgerechnet heute die Flugzeuge, die Nanjing anfliegen, die Route über den Campus wählen, wirkt sich auf die Lesung wenig vorteilhaft aus.
Studentin Lan, die über den Roman ihre B.A.-Arbeit schreibt, ist leider auf einem Bewerbungsgespräch (und wird dann doch nicht genommen) und lässt ihre Freundin Li eine Frage stellen. In der - typisch chinesisch - eher unkritischen Fragerunde melde ich mich schließlich mit einer Frage zu Wort, die mit den Worten beginnt: "Ich habe eigentlich bei der Lektüre des Romans gar nicht so viel Freude damit gehabt, dass..." und die asynchrone Erzählweise des Romans in Zweifel zieht, worauf Autor Ruge mich, wie er später entschuldigend meint, "mich belehrt", warum das aber gut so sei. Allerdings habe der Verlag gesagt (sehr erhellend!): "Die Reihenfolge der Kapitel ist ganz egal." Da sich der in der "DDR" aufgewachsene Autor mit dem Satz zitieren lässt: "Ich mochte dieses Land [d.i. die 'DDR'] nicht!", bin ich ihm doch eher wohl gesonnen und bekomme nach der Lesung eine Widmung für das Exemplar des Buches, das in meiner Bibliothek steht, weil Kollege Li umsichtig genug war, das von ihm entliehene Buch dabei zu haben.