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Freitag, 07. Juni 2013

Die Bank
Von didus, 23:59

Seit Wochen warte ich auf einen günstigen Tauschkurs. Andere lösen ihr Konto auf, wenn sie das Land verlassen, ich schaufele noch ein paar Euros drauf. Denn wo bekommt man sonst 4,75 % Zinsen für Spareinlagen? Seit Anfang Mai liegt also eine beträchtliche Euro-Summe auf meinem chinesischen Konto bei der Industrie- und Kommerzbank von China (ICBC), aber seither ist der Euro-Kurs im freien Fall. Wie einst Uli Hoeneß auf seine Spekulationsgeschäfte starre ich nun täglich auf den Euro-Kurs. Jetzt, Anfang Juni, muss ich zuschlagen: Der Euro ist erstmals über die symbolisch wichtige 8-Yuan-Marke geklettert! Ich schwinge mich also auf mein Dianpingche und sause bei sengender Hitze nach Qixia zur Bank. Dort falle ich jedoch der typisch chinesischen Bevormundungsmentalität zum Opfer, die von der insgesamt wenig in Frage gestellten Maxime ausgeht: Ein Ausländer weiß sowieso nicht, was das Beste für ihn ist. Ich verstehe nur Bahnhof und weiß nicht, was das hier alles so lange dauert. Ich wollte doch einfach nur Geld tauschen!! Nach einer halben Stunde (gefühlt: halber Tag) und etlichen Unterschriften bekomme ich ein weißes Bank-USB-Stäbchen, eine Karte mit Rubbellosen und Durchschläge von mir unterschriebener Formulare ausgehändigt und werde vom freundlichen Assistenten vor einen Computer in der Schalterhalle geschleift. Meine selbst gewählte Geheimzahl wird noch ein halbes Dutzend Mal abgelehnt, aber als der hilfsbereite Assi schon selbst aufgeben will, heißt es endlich: Willkommen beim ICBC-Online-Banking. Dass ich mich gar nicht für Online-Banking registrieren lassen wollte, für diese Mitteilung ist es jetzt irgendwie zu spät. Leider kann man an diesem Computer keinen Sicherheitscode eingeben. Also zurück zum Schalter. Inzwischen ist der Euro-Kurs um 0,04 Yuan gesunken, für mich ein Verlust von 40 Yuan. »You cost me forty yuan!«, sage ich verärgert zum Schalterbeamten. Aber der kann nichts dafür. Der Fuzzi, der mir den ganzen Kram angedreht hat, bedient jetzt einen anderen Kunden. Was klingelt denn jetzt auf einmal ständig das Telefon und meldet SMS-Empfang? Antwort: Ich habe auf dem Formual meine Telefonnummer angegeben. Jetzt kommentiert die Bank jede Kontobewegung mit einer SMS. Wieder eins von den Dingen, bei denen man, wenn man sie endlich hat, gar nicht mehr begreift, wie man bisher ohne sie leben konnte.
Bekanntlich ernten die dümmsten Bauern immer die dicksten Kartoffeln: Ich kann heute nur den Gegenwert von maximal 5000 Dollar umtauschen, also nur einen Bruchteil der Gesamtsumme. Was ich heute noch nicht wissen kann: Bei den nächsten beiden Malen werde ich einen günstigeren Kurs erwischen. Man wird mich also wieder zur Bank sausen sehen – bei Sonnenschein und Regen!

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