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Dienstag, 02. Juli 2013

Kind in der Klemme
Von didus, 23:59

Als ich auf dem Weg zum Zug nach Golmud in der Provinz Qinghai bin, fällt mir ein, dass es nicht dumm wäre, wenn ich mir noch ein Schlafwagenbillet für die Rückreise sichern würde, sonst sind die nämlich weg und ich muss wieder so eine Tortur über mich ergehen lassen wie auf der Tour von Xian nach Lanzhou gestern... Gefühlt vierzig Grad. Doch erst stehe ich in der falschen Schlange und dann ist die nächste ziemlich eine ziemlich lange. Als ich endlich am Fahrkartenschalter stehe, vergehen wieder wertvolle Sekunden Sekunden durch Passkontrolle etc. Dann muss ich die Beine in die Hand nehmen. In neun Minuten fährt mein Zug. Die Ausweis- und Gepäckkontrolle in diesem neurotischen Land kostet nämlich auch Zeit.Ein Nude-Fertiggericht geht beim Durchleuchten verloren. Weintrauben und Nektarinen kullern übers Rost. Ich sammle sie notdürftig ein. Dann finde ich den Ausgang zum Zug nicht. Und dann ist da gerade jetzt auch noch ein Kleinkind hinter die Drehtür (so eine wie in der Badeanstalt in Bad Bramstedt) gekrabbelt und kommt da nicht mehr raus. Ich helfe total eigennützig ein bisschen nach und quetsche das Kind damit ein. Es gerät in Panik und beginnt zu weinen.Der Bahnbedienstete, der eben noch die säumige Mutter gerügt hat, findet mein Vorgehen zu rabiat und ich auch. Die Mutter sagt gar nichts. Ich erklimme die metallenen Streben der Schwingtür und bin mit einem Sprung auf der anderen Seite. Wie vom wilden Affen gebissen hetze ich zum sinnlos weit entfernten Bahnsteig, von dem der Zug nach Lhasa in genau zwei Minuten abfahren soll. “Are you o.k.?“, fragt mich eine Mitreisende, als ich Platz genommen habe. Ich, immer noch verstört wegen des Görs in der Drehtür, verneine. Unterwegs glitzert plötzlich ein blaues Band in der Ferne und wird dort eins mit dem Horizont. Der Chinese neben mir und auch viele andere beginnen eine wilde Fotografiererei. Die Bahnstrecke folgt dem Qinghai-See, der wie ein verirrtes Meer in der Steppe liegt. Der Zug wird dem großen Süßwassersee, der manchmal türkis schimmert wie ein grünes Meer, später noch näher kommen. Die Landschaft hat sich inzwischen zu einer hügeligen Grassteppe gewandelt. Nur vereinzelt sind breite Kegel aus bunten Fähnchen, Zelte oder hier und da mal ein Staub aufwirbelndes Moped oder ein einsamer Lkw zu sehen, sonst prägen grasende Kühe oder Pferde, Yaks, später sogar zwei Dromedare das Bild.
Die Vegetation reduziert sich schließlich auf viele kleine Inseln von blassgrünen Gluglus (hierbei handelt es sich um eine Art Stachelschwein ohne Schwein) als einzigem Flora-Rudiment in einer braunen Steinwüste.

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