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Montag, 08. Juli 2013

Tongren
Von didus, 23:59

Ich mache mich um 10.20 Uhr mit dem Bus auf den Weg nach Tongren, einem malerisch in einem Flusstal gelegenen Ort, auf den hohe, grüne Berghänge hinabblicken. Tongren ist ein Musterbeispiel für die friedliche Koexistenz der Religionen, denn es gibt ein muslimisches Viertel und ein buddhistisches Viertel, an welches sich das Longwu-Kloster anschließt, dessen älteste Gebäude bis 1301 zurückreichen. In dem Jahr gründete Rongwo Lama Sandan Renchen den Orden, dessen heilige Hallen man heute noch bestaunen kann. Nicht ganz so alt, nämlich gerade ein paar Jahre, ist die Dumu-Statue, Abbild einer Göttin der Güte, die am Eingang zur Tempelanlage in der Mitte des großen Vorplatzes steht und vor dem sich eine junge Frau unaufhörlich niederwirft, die damit auch noch nicht fertig ist, als ich den Platz, der übrigens ein herrliches Panorama über das ganze Tal bietet, wieder verlasse. Augenfällig sind die überall an den Außenwänden befestigten roten Brummkreisel-Säulen, die man aus irgendeinem Grund zum Drehen bringen muss, was auch viele der gläubigen Buddhisten, vorwiegend alte Frauen, fleißig tun. Man sieht also auch hier wieder, was bei der westlichen Verehrung für fernöstliche Religionen gern übersehen wird: das angestrengte Streben nach einer Leistung, die die Gottheit gnädig stimmen möge – Buddhismus und Islam gleichen sich hier in ihrem animistischen Ursprung.
Nicht ohne Überraschung stelle ich fest, dass Fotos des Dalai-Lama in gleich mehreren der Tempelhallen vor dem Buddha stehen, was insofern überrascht, als der Dalai-Lama in China als Volksfeind Nummer eins gilt. Was hätte Helmut Schmidt wohl gesagt, wenn man Ende der siebziger Jahre Fotos von Christian Klar in deutschen Kirchen angebracht hätte? Es gibt am Longwu-Koster zwar auch einen Schalter, wo Eintrittskarten zu erwerben sind, aber ich komme aus einer anderen Richtung, da geht das so. Ein mir entgegenkommender Mönch in roter Kutte stellt klar, dass man die Eintrittskarte auch nur für die Besichtigung der Innenräume benötige. Ich klettere stattdessen den Hang empor, in den Longwu Si hineingebaut ist, und genieße ein noch weiteres Panorama über das dunstige grüne Tal (ich befinde mich offenbar in einer der regenreichsten Regionen der Provinz Qinghai), dann geht es durch die muslimische Unterstadt am Fluss zurück. Ich überquere einmal die große Hängebrücke unweit der Busstation, in der ich mich kurz vor 17 Uhr zur Rückfahrt nach Xining einfinde.

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