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Freitag, 22. Januar 2016

Du, der Schlüssel ist weg!
Von didus, 23:49

Nachdem Jianweis vietnamesische Freundin gestern Abend schon auf meine Anwesenheit verzichten musste, muss heute natürlich alles anders werden. Wir wollen so gegen zehn gemeinsam essen gehen, aber das dauert und dauert, bis sie mit ihrem Moped im Cyclo-Gasthaus auftaucht, also gehe ich erst mal Pfannkuchen im »Gecko« eine Straße weiter essen – eine kluge Entscheidung, denn als sie endlich da ist, ist der Vormittag schon fast rum. Diesmal nehmen wir ein Taxi und mir wird rasch klar, dass der von mir geäußerte Wunsch, in der Nähe unserer Unterkunft zu essen, sich nicht erfüllen wird. Die Vietnamesin hatte Jianwei versprochen, ihn in ein ganz spezielles Restaurant mit vietnamesischen Spezialitäten zu führen, aber wir landen in einem 0-8-15-Laden, essen eine total normale Nudelsuppe mit dem von mir universell verabscheuten Koreander, den die hier überall draufhauen und reinschmeißen. Einzig der Blick vom ersten Stock auf die enge Straße vermittelt einen Hauch von Atmosphäre. Wie immer bin ich der Einzige, der seine Suppe ganz ausgelöffelt hat. Tja, und dann wird es auch schon Zeit, das Hotelzimmer zu räumen. Wir fahren also mit dem Taxi zurück, wider meine Prinzipien beteilige ich mich auch am Fahrpreis. Gemeinsam packen Jianwei und ich Sachen. Wir machen noch ein Foto gemeinsam mit der Vietnamesin auf dem Balkon und dann gehen die beiden schon mal vor. Denn Jianwei ist auf dem Weg zum Flughafen. Er möchte nach Saigon fliegen. Die Flugpreise seien in Vietnam niedriger als in China, hat er ermittelt. Ich lasse mir noch etwas Zeit, sehe die beiden noch von oben durch den Korridor schlendern und nur etwas zehn Minuten später bin auch ich reisefertig. Als ich den Schlüssel abgeben will, dann die bittere Erkenntnis: Den hat Jianwei mitgenommen und auch nicht überprüft, ob die Aussage, den Schlüssel hätte ich und ich käme ja auch gleich, der Wahrheit entspricht. Ich spurte in die Gasse und die Nachbargasse, aber in dem Gewusel habe ich keine Chance Jianwei noch aufzutreiben, auch wenn er vielleicht noch ganz in der Nähe ist. Ich beschließe, Jianwei auf dem Kindle eine E-Mail zu schreiben, die er aber bestimmt erst viel später liest. Ich tippe ein: »Eilig: Schlüssel«, aber die Damen von der Rezeption bitten mich dennoch mit 50.000 Dong zur Kasse. Ich bekomme zwar eine Quittung und sobald der Schlüssel wieder da sei, werde man mich ausbezahlen, versichert man mir. Aber es ist klar: Wenn etwas so dumm läuft, ist der Tag für mich ruiniert. Die Damen erklären mir noch den Weg zur Bushaltestelle und empfehlen mir Bus Nummer 2 zum zentralen Busbahnhof. Aber in dem sitze ich eine geschlagene Stunde, der fährt und fährt und fährt – einmal quer durch sämtliche Stadtviertel von Hanoi, so kommt es mir vor. Ich sehe hässliche Hochhäuser und breite Straßen, aber keine Perspektive für meine Abreise aus Hanoi. Aussteigen geht auch nicht – ich wäre ja dann mitten in der Walachei an einem unbekannten Ort in einer unbekannten Stadt. Ich fahre also bis zu Endstation Yen Nghia. Und dort befindet sich tatsächlich ein Busbahnhof, aber ein ganz anderer als der, den ich eigentlich ansteuern wollte. Ich nehme das als Wink des Schicksals und buche eine Fahrkarte in die Hafenstadt Haiphong, die ganz in der Nähe der legendären Halong-Bucht liegt. Als ich dort ankomme, regnet es und dunkel ist es auch schon. Ich muss eigentlich auf Klo, aber das Klo wird von einer merkwürdigen Alten bewacht, die sogar fürs Pinkeln Geld verlangt. Das sieht für mich nach brutaler Ausnutzung einer persönlich schwierigen Lage aus. Da mache ich nicht mit! Das in der Nähe der Busstation liegende Hotel verschmähe ich. Es erscheint mir zu einfach, da gleich abzusteigen. Und außerdem will ich doch was sehen von der Stadt. Es beginnt eine endlose Wanderung durch die WC- und hotelärmste Stadt, die ich in meinem Leben je bereist habe. Zugegeben, es könnte auch daran liegen, dass ich gar nicht weiß, wie Hotel auf Vietnamesisch heißt. Ich folge verwaisten Bahn- oder Straßenbahnschienen und lande nach einer gefühlten Ewigkeit an einem belebten Platz mit Straßenverkauf und am nächtlichen Himmel erblicke ich die Leuchtbuchstaben von drei Hotels. Das am billigsten aussehende ist belegt, das nebenan war gar keines und nach einem weiteren Kilometer Fußweg nehme ich dann von zwei Vier-Sterne-Hotels das etwas weniger aristorkratisch aussehende. Der Laden heißt Princess Hotel (www.princesshotelhaiphong.vn) und ist in die Geschichte meines Lebens eingegangen als das erste Hotel, für das ich fast eine Million hingeblättert habe. Dafür ist das Klo aber auch wirklich schön.

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