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Montag, 25. Januar 2016

Hausboot
Von didus, 23:59

Wo ich gestern fast reich geworden wäre, also auf dem Anleger, steige ich in ein kleines Tuckerboot, das noch nicht so ganz dem »Traumschiff« entspricht, das ich mir vorstelle, aber ich darf auch nach wenigen Minuten umsteigen und nun habe ich tatsächlich eine kleine Dschunke für mich allein! Nur der Käpt'n, dessen Englisch so klingt, als würde er in einer eingeschalteten Waschmaschine stecken und nur mit dem Kopf aus der sich drehenden Trommel gucken, ist außer mir an Bord. Er zeigt mir »Monkey Island«, das immerhin verstehe ich, naja, der Rest erschließt sich von selbst: Natürlich ist die Halong-Bucht ein von der Natur geschriebenes Gedicht. Ich stelle mir vor, zwischen welchen der vielen grünen Felseninseln James Bond auf seiner Verfolgungsjagd herausgeschossen gekommen sein könnte. Nach etwa einer Stunde legen wir in der Nähe einer der vielen grünen Felseninseln, nein nicht am Festland an, sondern an einem Hausboot, das vor der Küste an einem Betonschiff festgemacht ist. Planken führen an zwei Becken vorbei, die nur aus Netzen im Wasser bestehen. In einem von ihnen dreht ein fetter Fisch einsam seine Runden. Dahinter eine schwimmende Hütte, die mit einfachem Mobiliar ausgestattet ist: Der Käpt'n unterhält sich mit dem Ehepaar, das diese schwimmende Fischerhütte zu bewohnen scheint. Ein Tee wird serviert. Ich schnappe mir den SPIEGEL und lege mich neben den Fisch auf eine Planke und da jetzt, zur Mittagszeit, tatsächlich die Sonne durch die Wolken dringt, wird das eine richtig tolle Mittagspause dort mitten auf dem Wasser, umgeben von den grünen Kegeln des Inselarchipels vor Catba. Der Käpt'n betätigt sich inzwischen als Koch. Das wird wieder kein Vier-Sterne-Menü, das ahnt man schon, aber alles schmeckt doch ziemlich gut und ich lasse nichts übrig. Dann ist Siesta. Leider verkrümelt sich die Sonne aber schon wieder. Und ohne die wärmenden Strahlen ist es auf dem Hausboot nicht mehr so gemütlich. Am Betonboot legt ein anderes Touristenschiff an, ein Trupp Franzosen entert das hölzerne Eiland im Meer. Für mich das Kommando, auf das von mir gecharterte Boot zurückzukehren, wo der Käpt'n gerade mit dem Kopf in einem alten Teer-Eimer verschwunden ist und mich aufblickend anlächelt. Er zieht gerade die vietnamesische Variante einer Shisha durch. So deute ich das. Dann macht sich der Tuckerdampfer auf den Weg zurück. Von einer Tageskreuzfahrt durch das Inselidyll kann insofern ja nicht die Rede sein, aber ich habe auch nicht den Eindruck, die besten Ansichten verpasst zu haben. Ich kehre zurück zum Ausgangspunkt der Reise, habe Zeit die malerischen Ecken von Catba-Stadt noch ein wenig abzuwandern. Den Tourmanager bekomme ich freilich nach dem Frühstückstelefonat nicht mehr zu sehen. Aber der Fahrer telefoniert noch mal. Ich habe mal wieder Ansprüche gestellt und möchte in Haiphong an dem Busbahnhof abgesetzt werden, der mich in den warmen Süden bringt. »I booked a premium tour, so I should get some premium service.« Das wird mir auch zugesichert. So eine kleine Wutattacke wirkt wie ein Türöffner. Der junge Mann im Reisebüro, wo ich auf das Hochgeschwindig­keitsboot warte, das um Viertel vor fünf abfahren soll, spricht sehr gut Englisch. Ich frage ihn nach den Wahlen zur neuen Führung des Landes, aber er erwartet wenig Veränderungen im Land. Ich gehe noch etwas am Hafen spazieren und als ich noch 500 Meter entfernt bin von der Landungsbrücke, sehe ich schon das die Hochgeschwindigkeitsfähre eingetroffen ist. Ich bekomme die Fahrkarte ausgehändigt und steige ein. Leider sind die Fenster auf den Plätzen unter Deck ziemlich intransparent, sodass ich lieber einen Stehplatz wähle und durch die Tür schaue. Ich muss zurückdenken an die Fähre von Macao nach Hongkong, in der ich vor ziemlich genau vier Jahren saß. Jetzt heißt es Abschied nehmen von dem grünen Paradies. Tatsächlich erwartet mich in Haiphong ein Taxifahrer mit Namensschild »Mr. Mei« und erstaunt stelle ich fest, dass die Fähre ganz in der Nähe des Busbahnhofs angelegt hat, an dem ich vor zwei Tagen aus Hanoi angekommen bin. Zwei Mal rechts abbiegen und ich wäre da gewesen. Demnach hätte ich diese Tour ja auch einfacher haben können. Aber das soll man alles wissen. Der Busbahnhof für die Reise in die alte Kaiserstadt Hue ist aber, wie ich geahnt habe, woanders, weiter weg. Der Taxifahrer war wirklich im Preis inbegriffen. Ich bin ein bisschen versöhnt. Ich finde einen Bus, der über Nacht fahren wird. In engen Pritschen kann man hier liegen und versuchen, ein Auge zuzukriegen. Lange Zeit bin ich der einzige Fahrgast, später kommt eine Horde gackernder Hühner dazu. So hören sich die Frauen an, die die Liegen neben mir belegen.

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