Was lange währt, wird endlich gut.
Morgens halb zehn in Vietnam: Ich steige aus dem Zug und was passiert: Es ist warm! Ich bin schätzungsweise 1000 Kilometer von Hanoi entfernt und sonniges Sommerwetter empfängt mich. Ich marschiere mächtig motiviert drauflos, finde einen Supermarkt und ein Kino, eine Pizzeria und ein Schnellrestaurant, und das alles in einem Gebäude! Vom fünften Stock des Gebäudes aus versuche ich mich zu orientieren. In der Ferne gibt es eine grüne Felseninsel. Da hinten, mutmaße ich, muss das lang ersehnte Meer sein. Ich nähere mich einem zentralen Platz mit viel Kreisverkehr, und rechter Hand erhebt sich eine große (katholische) Kirche – und das mitten im kommunistischen Vietnam! Auf der Suche nach einem Hotel treffe ich Marco Reus. Er ziert die Außenwand eines Frisörsalons. Wer eine Frisur wie Reus möchte, muss da hin. Ich wittere das Meer, kann es aber nicht finden. Die grünen Hänge im Hintergrund, da müsste doch... Dann habe ich eine Idee: einfach in Richtung der Hochhäuser gehen, die verdächtig nach Touristenhotels aussehen. Und die stehen doch gewiss am Strand! Und so ist es auch. Nach einer kleinen Inspektion der Umgebung finde ich ein kleines Hotel in zweiter Reihe, das dennoch Meerblick bietet, denn ich kann es von der belebten Uferstraße aus sehen. Es heißt »Monaco«-Hotel und kostet pro Nacht 400.000 Dong. Das kann ich mir gerade noch leisten. Hier will ich bleiben! Der Rest des Tages ist rasch erzählt: Buch, Handtuch, Wasserpulle und Badelatschen schnappen und ab an den Strand. Der liegt hinter der schon genannten sehr belebten Uferstraße und ist für mich in weniger als fünf Minuten zu erreichen. Ich befinde mich in einer Bucht, vor der sich einige Inseln erheben. Die größte von ihnen ist durch eine Seilbahn mit dem Festland verbunden. Auf einem Hang von sattem Grün prangen hollywoodeske Buchstaben und ergeben den Schriftzug »Paradise Island«. Riesige Wellen türmen sich auf und reißen mich förmlich um, als ich endlich das ersehnte Bad im Meer nehme. Als es zu nieseln beginnt, während ich erschöpft auf meinem Badetuch liege, denke ich: Nein! Das kann nicht wahr sein. Und damit liege ich völlig richtig. Es ist ein Sturm im Wasserglas. Nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei. Am Abend kann ich mir aus drei englischsprachigen Spielfilm-Kanälen die besten Filme auswählen. Ich bin am Ziel aller Urlaubsträume.