Das Schweigen der Böller
Das ist der Schock des Jahres. Ich habe mir vorgenommen, wie einst im Jahre 2011 bis etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht Filme zu schauen, um dann live und in Farbe dem großen Frühlingsfest beizuwohnen. Doch als nach elf immer noch keine Knaller zu hören sind, werde ich langsam misstrauisch. Und als ich dann kurz vor Mitternacht zu meinem Nachtspaziergang aufbreche, durch eine gespenstisch ruhige Stadt, wird klar: Dies wird das ruhigste und dunkelste Frühlingsfest, das ich je in China miterlebt habe. Die Regierung hat Feuerwerke strengstens untersagt aus Gründen der Luftverschmutzung, der Lärmbelästigung und den anderen Gründen, die man sich in diesem Zusammenhang ausmalen kann. Ich gehe zum Xinjiekou-Platz, so eine Art »Times Square« von Nanjing, wo eigentlich immer was los ist. Heute nur gähnende Leere. Ich gehe runter zur U-Bahn und das Aufregendste, was ich in dieser Nacht erlebe, sind die vielen Obdachlosen, die hier überall am Rand der Gänge und in den Ecken lagern. Ist ja schön warm hier. Ich gehe nach Hause und sehe den unterbrochenen Film zu Ende.
Immerhin eines habe ich heute gefunden: ein Thema für den Aufsatzunterricht im nächsten Semester. »Schreibe eine Erörterung zum Thema: Soll man Feuerwerke zum chinesischen Neujahrsfest wieder erlauben?« Dazu hat garantiert jeder eine Meinung.