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Samstag, 30. Juni 2012

Die Pruefung aus dem Koffer
Von didus, 23:59

Sie staunen. Sie lachen schon vorher. "Diese Pruefung ist so schwer", sage ich, oeffne das Reissverschlussfach von Stephan Thomes Rollkoffer und entnehme ihm die Pruefungspapiere, "dass man sie im Koffer tragen muss!" Wer jetzt lacht, gehoert vermutlich zu den zehn besseren Studenten.
Ja, die beiden Pruefungswochen, die heute enden, waren anders als die frueherer Tage, denn jedes Mal erschien ich mit einem schweren Koffer im Unterrichtsraum. An jedem Tag, den mich der Uni-Bus nach Xianlin bringt, kann ich schliesslich ein paar Gegenstaende umziehen lassen. Am Ende werde ich diesen Umzug komplett per Bus und U-Bahn bewerkstelligt haben.
Am schlimmsten war der gestrige Abend, an dem ich, von einem Wolkenbruch ueberrascht, einen vollen Rollkoffer, einen vollen Bundeswehrseesack (so schwer, dass ich manchmal nach hinten taumelte) und zwei volle Stofftaschen von A (Guangzhou Lu) nach B (NJU Xianlin Campus) bewegt habe. Eine Ochsentour, eine Tour de force, eine Plackerei, an deren Ende aber immerhin die erste Nacht im friedlichen neuen Heim und der erste Morgen standen, an dem ich trotz Unterricht um acht Uhr nicht vor 7.15 Uhr aufstehen musste.

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Freitag, 22. Juni 2012

Die Nacht des Grauens II
Von didus, 23:59

Frustriert schleiche ich mit Ralf und seiner chinesischen Lebensgefaehrtin durch das noch nicht so ganz muntere, aber bereits von gleissendem Licht durchflutete, schwuele Schanghai. Das Grauen hat sich auf perfide Weise wiederholt , alles nahm den genau gleichen Verlauf, nur Nuancen haben sich verschoben: Wir waren wie in der Nacht auf den 20. Mai zunaechst in Ralfs Lieblings-Jazz-Club, haben die jamaikanische Trommellegende Tony Hall bestaunt und danach kurz mit ihm geplaudert (denn Ralf ist hier ja Stammgast), ehe wir dann in ein schweineteures Lokal voller Bildschirme und Leinwaende abgedampft sind, um uns die Nacht um die Ohren zu schlagen. Diesmal ist es das "Deutsche Brauhaus" unweit des Deutschen Generalkonsulats, wo man 100 Yuan fuer zwei Getraenke zahlen muss, mein angekokelter Hamburger kostet 70 Yuan, sodass ich nach der Panzerknacker-Aktion vom Donnerstag der Zahlungsunfaehigkeit wieder einen grossen Schritt naeher gekommen bin.  Ueber das, was in dieser Nacht geschah, muss ich leider schweigen. Denn Worte koennen mehr Schmerzen verursachen als spitze Wurfgeschosse, wenn die Situation entsprechend ist. Spulen wir doch einfach ein paar Stunden vor und sind damit wieder am Anfang dieses Eintrags:
Vor dem Brauhaus tanzen Menschen in blauen Trikots im Kreis. Rechts neben uns skandieren einige deutsche Jugendliche: "Nie wieder Pizza, wir essen nie wieder Pizza!", was natuerlich gelogen ist. Wir machen noch ein paar schmerzhafte Erinnerungsfots, fruehstuecken in einem Supermarkt im US-Stil, dann entlasse ich Ralf und Xu Li in den verdienten Schlaf. Ich selbst muss noch etwas Zeit tot schlagen, ehe ich ab halb neun meinen neuen Pass im Konsulat abholen kann. Ich wollte eigentlich das Angenehme mit dem Nuetzlichen verbinden, aber leider hat das Angenehme, dem beruehmten Ausspruch vom Wolf im Schafspelz eine Variante hinzufuegend, die Gestalt eines Nachtmahrs angenommen.

 

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Donnerstag, 21. Juni 2012

Am grünen Rand der Welt
Von didus, 23:59

... wird sich schon sehr bald mein neues Domizil befinden, denn nicht nur meine Bibliothek zieht es "aufs Land", wie viele Nanjinger den Ortsteil Xianlin trotz mehrspuriger, allerdings kaum befahrener Landstrassen ringsum nennen, auch mich. Die mir von Hongzhen empfohlene Agentur, vertreten durch den freundlichen Herrn Chen, etwa dreissig Jahre alt, holt mich an der U-Bahn (vorletzte Haltestelle der Linie 2) ab, dann steigen ich beim Vermieter aufs Moped, Chen eilt uns zu Fuss nach.
Bei meiner ersten Begegnung mit der Wohnung war mir bereits klar: Die musst du haben! In der Wohnung stand zwar nichts, kein Bett, kein Schrank, kein Stuhl, aber die Naehe zur Uni ist fuer mich das entscheidende Kriterium. Und: Wenn man von hier oben aus dem vierten Stock schaut, schaut man auf gruene Berge statt auf Hochhausfassaden aus Beton. Deswegen werde ich auch den bevorstehenden Verhandlungspoker verlieren. Der Vermieter heisst Fan Dong, traegt ein knallrotes T-Shirt mit der Aufschrift "Canada" und der dazugehoerigen Flagge. Das Rot, seine untersetzte Figur und sein Stoppelhaarschnitt lassen entfernte Aehnlichkeit mit einem der Panzerknacker aus Donald Duck erkennen. Hilflos wie Donald wirke ich auch bei dem Versuch, die Miete von 1.800 Yuan noch etwas zu druecken, denn eigentlich war mal von 1.500 Yuan die Rede und nur der inzwischen erfolgte Einbau einer Klimaanlage sorgt nun fuer eine Forderung in Hoehe von 1.800 Yuan. Vor ein paar Tagen hatte mir die Agentur sogar schon abgesagt. Alles Poker. "Tja", erklaere ich, als ich Fan Dong und Chen, die es sich auf dem neu angeschafften Sofa bequem gemacht haben, in meiner kuenftigen Wohnung gegenuebersitze, "die Uni zahlt mir aber nur 1.500 Yuan fuer eine eigene Wohnung." Tja, da sitzen wir nun. "Bisschen runtergehen", fluestert Chen ihm zu, "bisschen raufgehen" mir. Am Ende knicke ich schon bei 1.700 ein. Und Nebenkosten, die in China normalerweise der Vermieter traegt, wie mir Hongzhen spaeter mitteilt, kriege ich auch noch aufs Auge gedrueckt. Wir treffen uns wieder in Chens Agentur, wo ich 7.650 Yuan fuer Kaution, drei Monatsmieten und die Courtage fuer die Agentur loswerde, nachdem Hongzhen in Schanghai noch mal den Vertrag ueberprueft hat und mir am Telefon zum Unterschreiben geraten hat. Symptomatisch: Die Zusammenkunft endet vor dem Geldautomaten, an dem ich mein Konto pluendere. Danach fahre ich aber noch mit Fan Dong, der auch am anderen Ende der Stadt wohnt im Bus zurueck. "Den kannst du nehmen, der faehrt durch die Geschwindigkeit!", erklaere ich dem Panzerknacker, der seit er zuerst meinen Widerstand und dann mein Guthaben geknackt hat, ueber beide Backen grinst und einfach nur noch gut gelaunt ist. Ich wollte sagen: "Der faehrt durch den Tunnel", habe aber "sudu" mit "suidao" verwechselt. Bin irgendwie durcheinander seit dem Vertragspoker. Nach dem Tunnel steige ich dann um in die U-Bahn. Fan Dong nehme ich mit. Der kennt sich ja aber auch gar nicht aus mit Bus und Bahn!

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Mittwoch, 20. Juni 2012

Biye Wanhui Nr. 4
Von didus, 23:59

Sie kommt spät, aber sie kommt: die vierte Absolventenfeier, an der ich in dieser Stadt teilnehme. Sie findet statt im selben Kaufhaus, in dessen Obergeschoss ich schon mit Liu Chao und Huilin essen war, aber mit dem Fahrstuhl lande ich in einer Abstellkammer nebst Heizungsschacht. Dann doch lieber die Rolltreppe wie bei meinem letzten Besuch. Am Ende eines langen Ganges finde ich ans Ziel und setze ich mich zu Wang Min, dem Emeritus, der seine letzten Dienstjahre am Konfuzius-Institut in Freiburg zugebracht hat. Die 08-Studenten, die ihren Abschluss feiern, sind das letzte Jahr, das er noch unterrichtet hat. Ansonsten ist alles wie immer: Alle prosten einander zu und auch die Studenten, die von mir mit weniger schmeichelhaften Noten bedacht worden sind, lassen mich nicht aus. Yinuo bedankt sich noch mal herzlich für meine Gutachten, die ihr am Ende einen Studienplatz in Pennsylvania eingebracht haben. Und Kollege Chang lässt wieder die Muskeln spielen. Nachdem er ordentlich gebechert hat, ist er dann, wie mir später zugetragen wird, im Armdrücken aber doch noch überraschend vom kernigen Haochen geschlagen worden. Eine ganz besonderes Überraschungsgeschenk für uns Lehrer: Jeder erhält ein Fotoalbum, bei dem sogar schon die Fotos eingeklebt sind: unsere 08er in ihren attraktivsten Posen und mit Reiseimpressionen von Asien und Europa. Ich revanchiere mich eindrucksvoll, indem ich Gratis-Ausgaben der ersten (und letzten?) Ausgabe der "NJUer Morgenpost", der kollektiven Abschlussprüfung des Kurses "Zeitungslektüre", verteile.

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Montag, 04. Juni 2012

Das Leben marschiert weiter und nimmt ihn mit
Von didus, 23:59

Gemeint ist natürlich Dichter Thome. Es zieht ihn nach Vietnam. Aber vorher ziehe ich erst noch mal alle Register und lade die deutschen Kolleginnen Rebecka (sic!), Christina und Ines  zum Abschlussessen ein. Schliesslich ist das mir von Westerwelle eingeraeumte Budget noch nicht ganz ausgeschoepft. Laestiges Gepaeck laesst der Reisende hinter sich und ich bekomme seinen Rollkoffer geschenkt, den ich fuer den bevorstehenden Umzug bestens gebrauchen kann. Vielleicht gibt es bald mal einen Asien-Roman? "Bisher nicht geplant", sagt er.
Wir treffen uns beim Koreaner im letzten Stockwerk eines Nobel-Kaufhauses. Und so gibt es heute auch keine Klagen ueber Billigpizzas, sogar hochgradig exquisite Spirituosen in weisser Farbe landen vor uns auf dem runden Tisch, auf dem man allerdings seine Grillkost selbst ueber feurigen Kohlen garen muss, ohne dass diese Arbeit, die wir ja damit dem Koch abnehmen, von der Rechnung abgezogen wuerde. Rebecka, die aus Thomes Nachbarstadt Marburg kommt, zieht dann, als wir gegen zehn hier oben  die einzigen Gaeste sind, noch mit ihm los. Ich ziehe auch los, und zwar in meine Bibliothek, wo ich den bevorstehenden Umzug aller Buecher auf den Aussencampus Xianlin vorbereiten muss, indem ich jeweils etwa vierzehn bis zwanzig Exemplaren Nummern vepasse. Am Nachmittag hatte ich mit studentischer Mitwirkung schon mit der laestigen Arbeit begonnen. Am Ende sind es ueber vierhundert A4-Blaetter, die derart beschriftet werden muessen.

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Samstag, 02. Juni 2012

Charlotte ist wieder da!
Von didus, 23:59

Und noch ein Wiedersehen: Die Familie von Bo. nutzt die Pfingstferien zu einer Abschiedstour durch Nanjinger Familien, die sie waehrend ihrer knapp drei Jahre hier ins Herz geschlossen haben. Gestern musste ich terminbedingt passen. Heute mache ich mich mit meiner deutschen Kollegin, der Historikerin Ines, die Charlotte von frueher kennt und jetzt auch an der Uni Nanjing lehrt, auf den Weg zu einem deutschen Grillabend. Irgendwo im Nanjinger Hinterland und in der Naehe eines Golfgebiets entsteigen wir dem Bus, ueberwinden allfaellige Orientierungsprobleme in dem schlagbaumgesperrten klassischen Betuchte-Auslaender-Gehege mit Teich und Tennisplatzen vor der Tuer und finden in den Garten, wo schon kraeftig auf den Grill gepackt wird. Die Zusammensetzung ist international, ausser Deutschland sind auch Holland und Oesterreich vertreten. Und am Ende ist dann sogar Karl an der Strippe, der berufsbedingt kurz vor dem Antritt der Reise verzichten und seine Familie allein reisen lassen musste. Ich mache mich vor Ines auf den Weg, da ich ja keine Taxis nehme. Zum Abschied sorgt mein Telefon bei einem der Gaeste, der sowieso schon ziemlich heiter ist, fuer einen massiven Heiterkeitsausbruch. Das sei ja ein vorsintflutliches Teil. Verstehe ich nicht, erklaere ich, mein Telefon ist doch fast noch neu. Es klebt sogar noch die Plastikfolie auf der Anzeige. Die nehme ich zu Hause ab, denn sie ist, zugegeben inzwischen schon etwas matt. Leider faehrt kein Bus mehr, ich habe das Schild mit den Zeiten wohl vorhin bei der Ankunft falsch gedeutet. Doch die ca. fuenf Kilometer Fussmarsch zur U-Bahnstation schrecken mich nicht. Einzig schreckt mich die Aussicht, die letzte U-Bahn zu verpassen. Dennoch lehne ich das Angebot eines Chinesen, der mich auf seinem Zweirad ueberholt, mich aufsteigen zu lassen, hochmuetig ab. Ich bin trotzdem kurz vor elf am Ziel und packe mich schweissnass auf den roten Sitz von Linie 2. Etwa zeitgleich muss, wie ich spaeter erfahre, auch Ines eingetroffen sein. Wir sehen uns aber nicht mehr.

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Freitag, 01. Juni 2012

Lesung mit Huang Fan und Stephan Thome
Von didus, 23:59

(Bericht des sin-o-meter-Korrespondenten)
In Zusammenarbeit mit der Nanjinger Vertretung des Goethe-Instituts veranstaltete der DAAD am Freitag, dem 1. Juni 2012 in der Szene-Buchhandlung AVANT-GARDE nahe der Universität Nanjing eine Lesung mit dem Sinologen und Romancier Stephan Thome, den der DAAD bereits im Oktober 2010 anlässlich des Erscheinens seines ersten Romans eingeladen hatte. Herr Thome las vor rund sechzig Besuchern erstmals zwei bereits lektorierte Abschnitte aus seinem noch nicht erschienenen neuen Buch »Fliehkräfte«. Die Partner Goethe-Institut und DAAD (auf den im Rahmen der Lesung in Wort und Bild hingewiesen wurde, dafür sorgte als Veranstalter und Moderator Dr. Didus) hatten für die Lesung auch den Nanjinger Lyriker und Romancier Huang Fan (»Das elfte Gebot«) gewinnen können, der aus seinem neuen und bisher umfangreichsten Roman »Grundfarben« las, einer experimentellen Auseinandersetzung mit der Kulturrevolution, bei der zugleich ein Blick in die Zukunft Chinas geworfen wird. Angesichts der besonderen Rolle die in beiden Werken, die nahezu zeitgleich im Herbst veröffentlicht werden, der Rückblick auf die Vergangenheit aus einer Gegenwartsperspektive spielt, stellten DAAD und Goethe-Repräsentanz die Lesung unter das Motto »Im Wandel der Zeiten«. Einige Studenten der Universität Nanjing nahmen als Übersetzer bzw. Dolmetscher und Co-Moderatoren, andere als Gäste teil. Die Textteile aus dem Roman »Fliehkräfte« waren zuvor von herausragenden Nanjinger B.A.-Studenten ins Chinesische übertragen worden. Von den Lehrkräften der Deutsch-Abteilung der Universität Nanjing erschien leider niemand zu der Veranstaltung. Das Echo war geteilt. Einige der jüngeren Besucher fanden die Texte nicht besonders spannend. An der sich anschließenden halbstündigen Diskussion bzw. Fragerunde beteiligten sich vor allem zwei Journalisten, die Herr Huang Fan eingeladen hatte. Die Doppel-Lesung endete um 21.10 Uhr. Zusätzlich konnte der deutsche Autor am Sonntag für eine von dem Nanjinger Autor Huang Fan an der Technischen Universität Nanjing organisierten Diskussion mit Lehrern und Studenten gewonnen werden, an der Huang Fan hauptberuflich als Hochschullehrer beschäftigt ist. Der Dichter ließ Herrn Thome hierfür ein eigenes Honorar zukommen. Die Veranstaltung fand in chinesischer Sprache statt. Herr Thome empfand diesen Abend auch deshalb als besonders herausfordernd. »Da gab es auch ein paar Freaks«, so der Autor wörtlich. Einer der Studenten habe im Rahmen einer Frage zunächst ausführlich sein esoterisches Verständnis von Pflanzen dargelegt. Mit einem Abschlussessen für Herrn Thome und die ortsansässigen DAAD-Geförderten (Akademiker) endete der Besuch des Autors am Montag, dem 4. Juni. Insgesamt gestaltete sich insbesondere die Zusammenarbeit mit Frau Xu Yangyang von der Goethe-Zweigstelle, welche sich in vorbildlicher Weise um die Logistik und Öffentlichkeitsarbeit rund um die Veranstaltung kümmerte und das Honorar für Herrn Thome und Herrn Huang Fan übernahm, als sehr positiv.

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