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Donnerstag, 27. Juni 2013

Rodscher Wietecker, Teil III
Von didus, 23:59

Ja, inzwischen könnt ihr's schon nicht mehr hören, geschweige denn lesen - Rodscher Wietecker und so. Diesmal also eine Einladung zum Essen seitens des Kollegiums. Ihr ahnt nicht, was Anlass der kleinen Zusammenkunft ist. Ich sammle ein paar verspätete Bücher für die Bibliothek ein und bekomme eine Platiktüte mit Reiseproviant überreicht, so eine Art Sparausgabe des deutschen Präsentkorbs. (Ich hatte um was Praktisches, Verzehrbares gebeten.) Vorher wird aber noch  mal kräftig geschlemmt. Und - schöne Idee meiner scheidenden Chefin: Jeder soll jetzt noch mal was Postives über mich sagen. Einigen fällt sogar was ein. Ich sei nicht so schnell genervt oder eingeschnappt und auch recht kooperativ. "Ach, habt ihr das tatsächlich gemerkt?", scherze ich. Tja, und meine strengen Noten ..., die ließensich rückblickend doch ganz gut als Druckmittel einsetzen: "Bei uns kommt ihr ja vielleicht damit durch, aber ob das für Dr. Didus reicht?!..."
Bevor dann keinem mehr was einfällt, schlage ich vor, doch lieber was zu singen. Wird von den verbleibenden Kollegen einstimmig angenommen. Ganz am Rande wird noch bekannt, dass Dr. Li in diesem Jahr mit dem Förderpreis des Akademischen Austauschdienstes für Nachwuchswissenschaftler geehrt wird, auf meinen Vorschlag hin.

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Sonntag, 23. Juni 2013

Eine runde Sache
Von didus, 23:59

Die Studenten des Jahrgangs 2007 waren es, in deren Klassenraum anno 2008 meine Tätigkeit als Hochschullehrer an der Nanjinger Universität begann. Es macht die Sache rund, sie auch mit Vertreterinnen dieses Jahrgangs ausklingen zu lassen. Yinyin, Yijjie, Yixuan, Feiqian, Chen Dong, Lüxia und Jingting sowie Minmin, Yinyins Freund, ebenfalls ein Student aus meinem ersten Semester in Nanjing (aber Jahrgang 05), haben sich also einladen lassen zu einem Abendessen in vertrauter Runde. Yinyin und Chen Dong haben es sich nicht nehmen lassen, in höchst präsentabler Abendgarderobe zu erscheinen, während ich mich für Brösels unverwüstliche (wenn auch bereits einmal geflickte) Posthose entschieden habe. Ich mache in einer kleinen Ansprache deutlich: "Liebe Studenten, eines vorweg: Dies ist kein Abschiedsessen..." Aber ich bekomme trotzdem Tee, ein Buch und von Feiqian eine Teetasse. Ja, ist denn heut' schon Weihnachten?
Am Ende kommt es zu vorgerückter Stunde (also 21 Uhr in China) sogar zu spontanen Umarmungen wie dereinst mit Oma am Altjahrsabend, obwohl ich als Garant norddeutscher Sittensprödigkeit da ja immer etwas zögerlich bin, doch Yinyin/Minmin und Chen Dong  fahren im Gegensatz zu Yijie und Yixuan nicht mit Linie 2 zurück nach Xianlin und wir alle wissen ja: Abschied ist ein scharfes Schwert!
In der U-Bahn gebe ich Yijie und Yixuan dann die einzigartige Gelegenheit, erbarmungslos mit den Kleidungssünden ihres Lehrers abzurechnen. Welches denn der schrecklichste Fehlgriff gewesen sei,  mit dem ich je vor ihre Klasse getreten sei, bitte ich um Voten. Es gewinnt einstimmig das T-Shirt mit der Aufschrift "Ich war in Dali!" vor dem T-Shirt mit der Aufschrift: "Ich [rotes Herz] Deutsch!"
Tja, also ich fand die schick!

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Die Box
Von didus, 16:48

Gestern traf ich Ruilu auf dem Campus und sah, wie sie sich mit einem merkwürdigen Karton auf dem Fahrrad abmühte. Darin befanden sich die Roben für die Graduierungszeremonie der Magisterstudenten. Ich half Ruilu beim Befestigen der sich verselbständigenden Kiste. Sie bat, ich solle doch bitte auch kommen.
Nachmittags erscheine ich also, rechtzeitig zum Ende des Wolkenbruchs, auf dem alten Campus zum großen Foto-Marathon mit den Magisterstudenten, also Ruilu, Lijie, Xiaochen, Siqiao (Jahrgang 06) sowie Wenxin, Wu Fei und der Rückkehrerin Yan Lili aus dem Jahrgang 05. Außer mir ist nur noch Ex-Vizedekanin Kong dabei. Nach dreißig Minuten enteile ich zum Gottesdienst. Ausnahmsweise bin ich viel zu früh dran, ich habe halb drei mit halb vier verwechselt. In der Mochou-Kirche sind mit Li Yuan und Jenny Fu auch noch zwei alte Bekannte, denen ich tschüs sagen muss.

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Donnerstag, 20. Juni 2013

"Wir werden Sie vermissen!"
Von didus, 23:59

Als der wackere General Turner das Flugzeug besteigt und in den Himmel über Berlin entschwindet, um seiner bisherigen Wirkungsstätte, die er entscheidend geprägt hat,vielleicht für immer den Rücken zu kehren, werden mir auf einmal die ungeplanten Parallelen zu meinem eigenen Geschick bewusst. Und als es schon zwölf Uhr ist, also Unterrichtsende, als der Abspann des Zweiteilers »Die Luftbrücke« läuft, den ich in der heutigen Doppelstunde im Rahmen allgemeiner Landeskunde vorgeführt habe, sage ich: »Abschied nicht nur von General Turner, sondern auch von mir. Und zum Abschied gibt es jetzt noch ein Geschenk!« Dann verteile ich an alle Studenten qualitätsgeprüfte Akademischer-Austauschdienst-Kulis für die bevorstehende Prüfungszeit (»Nur echt mit diesen Buchstaben!«). Klassensprecherin Ding Lan assistiert mir und Dong Jing, das Mädchen mit der weißen Brille, kann sich nicht verkneifen die Verteilaktion zu kommentieren mit den Worten: »Wir werden Sie vermissen!« Mit meinen Noten kann das aber jetzt nicht zusammenhängen. »Ja«, sage ich, »natürlich!« Auch die Nr. 5 der Bestenliste, Yuanqiong sagt im Hinausgehen den sympathischen Satz. Und ich: »Sie können mich ja in Deutschland besuchen. Ich muss jetzt zum Bus!« Als ich vor dem Klassenzimmer auf den ungeordneten Haufen aus Hairong, Yuqiu und einigen anderen treffe und ihnen im Weggehen viel Glück für die Prüfung wünsche, macht Hairong ein Gesicht, als wäre ich ein GI auf dem Weg in den Vietnamkrieg, der seiner Verlobten zuraunt, sie solle mal schön tapfer sein, er sei es ja schließlich auch. Und wenn morgen Yuqiu in die Bibliothek kommen wird, um ein paar Bücher abzugeben, wird sie einen von Hairong selbst geschnitzten Stempel und von sich selbst eine vereinfachte Ausgabe von »Der Traum der roten Kammer« überreichen. Rodscher Wietecker würde sagen: »Abschied ist ein scharfes Schwert!«

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Mittwoch, 19. Juni 2013

Sugar Lan
Von didus, 23:59

Heute kommt Sugar Lan. Hört sich an wie eine Figur aus »Lucky Luke«, doch wer an eine Art Calamity Jane oder Ma Dalton denkt, ist auf dem Holzweg. Mata Hari scheidet völlig aus! Sugar hat rötlich gefärbte Haare und spricht gut Englisch. Ob sie sich den englischen Namen selber ausgesucht hat oder ihr Chef Raymond Chang von der Firma Excelrelo ihr den verpasst hat, weil er sie so süß findet, wage ich nicht zu fragen. Sugar Lan also, so nennt sich die englischsprachige Begleitperson des Räumungskommandos, das heute kommt. Geräumt wird meine Wohnung. Das heißt, die ist eigentlich schon geräumt. Und ich habe Sugar bei einem ihrer drei bis vier vorherigen Anrufe auch mitgeteilt, dass alles bestens verpackt sei. Sie müsse die Kisten nur noch abholen und verstauen. »Ten minutes!«, verkünde ich. Doch dann braucht das Umzugskommando unter Sugars Leitung über eine Stunde. Alles wird noch mal neu verpackt. Der Pförtner, dem ich das Kommando angekündigt habe, damit er Sugar und ihre zwei Packer am Eingang des Wohnkomplexes reinlässt, schaut zu und schüttelt mir emotional bewegt die Hand. Er glaubt wohl, in einen der Kartons werde ich gleich noch gepackt. Statt bei 1,07 Kubikmetern wie von mir errechnet bin ich nun bei 1,5 Kubikmetern wie von Raymond berechnet. Alles, was ich so sorgfältig und mit Bedacht in Koffer und Bundeswehr-Seesack gequetscht hatte: für die Katz'. Selbst den Tennisschläger haben sie wieder vom Dianpingche abgeplündert, wo ich ihn mit Klebeband gewissenhaft befestigt hatte. Ich bezahle Sugar Lan trotzdem die vereinbarten 13.998 Yuan und gebe ihr auf dem Bewertungsbogen, den sie auf Raymonds Weisung vom Kunden ausfüllen lassen muss, die Bestnote. Immerhin gibt es für die Verpackungsorgie keinen Aufpreis. Unten wartet der Umzugswagen auf Sugar, weil ich im vierten Stock wohne und sie im Treppenhaus einen Anruf bekommen hat. Ich sehe dem davonbrausenden weißen Wagen nach. Die weißen Wände meiner leeren Wohnung starren mich an.

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Freitag, 14. Juni 2013

Die Rückkehr nach Pukou
Von didus, 23:59

Zur Verabschiedung der leider in diesem Jahr aus ihrem Dienst an der Universität ausscheidenden ausländischen Lehrkräfte werden wir, also die aus ihrem Dienst an der Universität ausscheidenden Lehrkräfte und die aus ihrem Dienst an der Universität nicht ausscheidenden Lehrkräfte, heute auf das Gelände des der Universität angeschlossenen "Colleges" jenseits des Jangtse verfrachtet. Das bedeutet eine Stunde und fünfzehn Minuten in einem schlecht klimatisierten Bus. Ich bin trotzdem nicht undankbar, denn es gibt ein Wiedersehen mit meiner einstigen Wirkungsstätte in Pukou, wo ich von 2008 bis 2009 unterrichtete. In Pukou ist inzwischen eine gewaltige Bibliothek samt Fernsehproduktionsstätte für 3-D-Filme und Talk-Shows entstanden, ein Atelier nebst Ausstellungsraum und anderes mehr, das uns stolz, aber unstrukturiert vorgeführt wird. Ich habe Mühe, den Ort wiederzuerkennen.
Den "Outstanding Teaching Award", üblicherweise eine Standard-Auszeichnung für alle länger tätigen Lehrer, bekomme ich (im Gegensatz etwa zu meinem französischen Kollegen Alain) im Rahmen des mäßig festlichen Banketts im Mensa-Restaurant nicht überreicht. Das ist in Ordnung, denn mit einer (nach dem Rechtsverständnis der V.R. China) verprügelten Taxi-Tussi und einer eingeschlagenen Eingangstür habe ich mir eher auf anderen Gebieten Meriten erworben als auf denen, durch die man für preiswürdig erachtet wird.
Tja, man ist kaum mit seinen Nachbarn ins Gespräch gekommen (in Pukou gibt es eine deutsche Kollegin, entsandt von der Bosch-Stiftung), kaum hat man mit Alain und Maria (meiner Spanisch-Lehrerin) auf den gemeinsamen Abschied angestoßen, da wird man auch schon wieder verscheucht. Nicht mal zwei Stunden hat der Festsaal von Pukou uns ausgehalten. Ich esse und trinke wie üblich in Ruhe auf/aus und bleibe allein zurück. Als ich die Mensa verlasse, finde ich keinen Bus vor der Tür. Ich mache mich auf eigene Faust auf den Weg. Während ich allein zum Portal wandere, bekomme ich drei Anrufe von Leuten, die sich sorgen, ich könnte verloren gegangen sein. Ich sage ihnen, dass ich am Haupteingang auf den Bus warte. Schließlich nehme ich Platz neben Kollegin Kong, die gar nicht glauben kann, dass ich vor dem Bus am Haupteingang angekommen bin. "Verloren gehen konnte ich ja nicht", sage ich, "schließlich kenne ich mich hier aus!"

Damit ist der Arbeitstag aber für Alain und mich noch lange nicht beendet, denn nach der gemeinsamen Rückkehr feilen wir bei ihm zu Hause noch an dem Titelbild für den Novellenband "Auf den Schwingen der Morgenröte", den ich im Sommer herauszugeben gedenke. Alain habe ich als Grafiker engagiert.

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Freitag, 07. Juni 2013

Die Bank
Von didus, 23:59

Seit Wochen warte ich auf einen günstigen Tauschkurs. Andere lösen ihr Konto auf, wenn sie das Land verlassen, ich schaufele noch ein paar Euros drauf. Denn wo bekommt man sonst 4,75 % Zinsen für Spareinlagen? Seit Anfang Mai liegt also eine beträchtliche Euro-Summe auf meinem chinesischen Konto bei der Industrie- und Kommerzbank von China (ICBC), aber seither ist der Euro-Kurs im freien Fall. Wie einst Uli Hoeneß auf seine Spekulationsgeschäfte starre ich nun täglich auf den Euro-Kurs. Jetzt, Anfang Juni, muss ich zuschlagen: Der Euro ist erstmals über die symbolisch wichtige 8-Yuan-Marke geklettert! Ich schwinge mich also auf mein Dianpingche und sause bei sengender Hitze nach Qixia zur Bank. Dort falle ich jedoch der typisch chinesischen Bevormundungsmentalität zum Opfer, die von der insgesamt wenig in Frage gestellten Maxime ausgeht: Ein Ausländer weiß sowieso nicht, was das Beste für ihn ist. Ich verstehe nur Bahnhof und weiß nicht, was das hier alles so lange dauert. Ich wollte doch einfach nur Geld tauschen!! Nach einer halben Stunde (gefühlt: halber Tag) und etlichen Unterschriften bekomme ich ein weißes Bank-USB-Stäbchen, eine Karte mit Rubbellosen und Durchschläge von mir unterschriebener Formulare ausgehändigt und werde vom freundlichen Assistenten vor einen Computer in der Schalterhalle geschleift. Meine selbst gewählte Geheimzahl wird noch ein halbes Dutzend Mal abgelehnt, aber als der hilfsbereite Assi schon selbst aufgeben will, heißt es endlich: Willkommen beim ICBC-Online-Banking. Dass ich mich gar nicht für Online-Banking registrieren lassen wollte, für diese Mitteilung ist es jetzt irgendwie zu spät. Leider kann man an diesem Computer keinen Sicherheitscode eingeben. Also zurück zum Schalter. Inzwischen ist der Euro-Kurs um 0,04 Yuan gesunken, für mich ein Verlust von 40 Yuan. »You cost me forty yuan!«, sage ich verärgert zum Schalterbeamten. Aber der kann nichts dafür. Der Fuzzi, der mir den ganzen Kram angedreht hat, bedient jetzt einen anderen Kunden. Was klingelt denn jetzt auf einmal ständig das Telefon und meldet SMS-Empfang? Antwort: Ich habe auf dem Formual meine Telefonnummer angegeben. Jetzt kommentiert die Bank jede Kontobewegung mit einer SMS. Wieder eins von den Dingen, bei denen man, wenn man sie endlich hat, gar nicht mehr begreift, wie man bisher ohne sie leben konnte.
Bekanntlich ernten die dümmsten Bauern immer die dicksten Kartoffeln: Ich kann heute nur den Gegenwert von maximal 5000 Dollar umtauschen, also nur einen Bruchteil der Gesamtsumme. Was ich heute noch nicht wissen kann: Bei den nächsten beiden Malen werde ich einen günstigeren Kurs erwischen. Man wird mich also wieder zur Bank sausen sehen – bei Sonnenschein und Regen!

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